Hamburg - Eine Woche nach den Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei im Hamburger Schanzenviertel hat eine Gruppe von 30 bis 40 Vermummten mehrere Polizisten vor der Davidwache auf St. Pauli angegriffen und verletzt. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, hatten die Unbekannten am Samstag gegen 23 Uhr vor dem Gebäude an der Reeperbahn Sprechchöre skandiert. Unter anderem riefen sie: „St. Pauli, Scheißbullen, habt ihr immer noch nicht genug.“ Als die Beamten daraufhin aus der Wache kamen, wurden sie mit Steinen und Flaschen beworfen.

Drei Beamte wurden dabei schwer verletzt. Ein 45-jähriger Polizist erlitt einen Kiefer- und Nasenbruch sowie Schnittverletzungen, als ihm ein Täter aus nächster Nähe einen Stein ins Gesicht schlug. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. „Derart zielgerichtete und massive Übergriffe auf Polizeibeamte sind unerträglich. Ich bin entsetzt über die Gewalt“, sagte Polizeipräsident Wolfang Kopitzsch. Gegen 1.00 Uhr hatte sich die Lage wieder beruhigt. Die Polizei überprüfte acht Personen, die Täter waren jedoch nicht darunter. Das Landeskriminalamt ermittelt.

„Wer aus kürzester Distanz Flaschen und Steine auf Polizisten wirft, nimmt billigend in Kauf, dass Menschen getötet werden“, sagte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigesellschaft Hamburg, Klemens Burzlaff. Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Hamburg, Gerhard Kirsch, kritisierte den Angriff. Es sei mittlerweile „eine Dimension erreicht, die einen Schusswaffengebrauch situationsbedingt wahrscheinlich machen könnte“. Dies hätte unabsehbare Folgen, sagte Kirsch. Die Gewerkschaften forderten Parteien und Politik auf, sich hinter die Polizisten zu stellen.

Das tat Kai Voet van Vormizeele, innenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion: „Wer einem Polizeibeamten aus nächster Nähe einen Stein ins Gesicht wirft, nimmt auch dessen Tod billigend in Kauf. Diese Art der brutalen Gewalt zeigt deutlich die Militarisierung der linksextremistischen Szene in Hamburg“, erklärte der Unionspolitiker. Er forderte den Senat auf, schnell ein klares Konzept gegen linksextreme Gewalt vorzulegen. „Eine weitere Eskalation der Gewalt darf nicht akzeptiert werden.“

Auch die Grünen-Bürgerschaftsfraktion übte scharfe Kritik an den jüngsten Übergriffen. „Der Angriff auf der Reeperbahn ist ein erschreckender Ausbruch von Gewalt. Gewalt muss ein Tabu bleiben in der politischen Auseinandersetzung“, forderte die Abgeordnete Antje Möller. Solche Angriffe auf Polizisten gefährdeten nicht nur Menschenleben, sondern auch die zivilgesellschaftliche und die politische Solidarität. Möller warb für „ein breites, gewaltfreies Bündnis zu den großen Themen, die Hamburg bewegen.“

Unterdessen wurde offenkundig, dass bei den schweren Krawallen vor einer Woche die Randalierer auch gezielt Villen mehrerer Firmenchefs attackiert hatten. Das bestätigte eine Polizeisprecherin am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Am Samstag hatte die „Hamburger Morgenpost“ berichtet, ihr liege ein Bekennerschreiben vor. Darin sollen sich die Täter rühmen, die Elbchaussee mit Barrikaden lahmgelegt und Villen und Büros mit Farbe beschmiert zu haben.

Unter anderem wurden Wohnhaus und Büro des Architekten Meinhard von Gerkan angegriffen. Der Hamburger plante zum Beispiel Stadien für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele in Brasilien. Zudem gerieten mehrere Wohnhäuser ins Visier der Randalierer. So griffen sie das Haus eines „Blohm+Voss“-Managers an.

Am Samstag vor Weihnachten waren bei Auseinandersetzungen zwischen Randalierern und Polizei im Hamburger Schanzenviertel und auf St. Pauli 117 Beamte und 500 Demonstranten verletzt worden. Die Demonstranten setzten sich unter anderem für den Erhalt des autonomen Kulturzentrums „Rote Flora“ ein. (dpa)