KÖLN. Die Luft ist stickig, die Stimmung aufgeladen. In die muffige Aula des Kölner Gymnasiums Kreuzgasse drängen an diesem Abend 800 Menschen. "Bürgeranhörung", steht draußen an den Glastüren. Drinnen tobt ein Kulturkampf. "Nazis raus!", brüllen die einen. "Zensur!", empören sich andere. Schließlich ruft der Versammlungsleiter die Polizei. Drei krakeelende Rechte werden abgeführt.Der geplante Bau einer Zentralmoschee im Kölner Traditionsviertel Ehrenfeld erregt seit Monaten die Gemüter. Mit der Bürgeranhörung am Dienstag begann die auf vier Wochen befristete Beteiligung der Öffentlichkeit an der Bauplanung. Es hagelt Einwände und Kritik von allen Seiten. Als dröhnendes Sprachrohr der Moschee-Gegner fungiert die rechtspopulistische "Bürgerbewegung Pro Köln". Deren Wortführer verkünden, mit dem Gebetshaus der Muslime entstehe ein "Zufluchtsort für Extremisten". Zudem drohten Verkehrschaos, Parkplatznot und Lärmbelästigung durch stündliche Muezzin-Rufe.Giordano springt den Rechten beiÜberraschend ist der als links geltende Schriftsteller Ralph Giordano den Rechten beigesprungen: "Stoppt den Bau dieser Moschee! Es ist ein falsches Signal", sagte der jüdische Autor und Holocaust-Überlebende. "Die Integration der muslimischen Minderheit ist gescheitert." Zugleich lästerte Giordano über verschleierte Musliminnen als "menschliche Pinguine".120 000 Muslime leben in Köln. Alle großen Parteien im Stadtrat befürworten mehrheitlich den Bau einer repräsentativen Moschee. Architekt ist der bekannte Kirchenbaumeister Paul Böhm. Das von ihm entworfene Gebetshaus wird von einer 17 Meter hohen Kuppel überwölbt, weithin sichtbar ragen zwei 55 Meter hohe Minarette heraus. Dies sei "keine Replik einer osmanischen Baukultur", sondern "ein modern dastehendes Bauwerk", verteidigte Böhm seine Architektur bei der Anhörung.Doch bei vielen Anliegern bleibt Befremden. Die Minarette ähnelten "Raketen", schimpfte eine Kölnerin. "Die haben nichts Rheinisches, nicht Gemütliches." Andere fühlen sich bei dem Bau an ein Atomkraftwerk erinnert. Aber den meisten Kritikern geht es um mehr als Geschmacksfragen. Ein junger Mann meldet sich zu Wort, der sich selbst "einen Konservativen" nennt. Für ihn hat die Moschee an einer der Kölner Hauptverkehrsstraßen keinen Platz. "Dieses Land ist unser Deutschland. Wir dürfen unsere Heimat so gestalten, wie wir uns zu Hause fühlen", ruft er erregt in die Aula. "Nächstenliebe ist nicht das Gleiche wie Naivität."Dagegen treten Vertreter der Gewerkschaften und Jungsozialisten dafür ein, dass die Muslime in Köln endlich "vom Hinterhof ins gläserne Gemeindezentrum kommen". Im Umfeld der Moschee soll auf insgesamt 20 000 Quadratmeter bebauter Fläche ein weitläufiges Kultur- und Einkaufszentrum entstehen. "Nur zehn Prozent des Gebäudes sind Gebetsraum", sagt Architekt Böhm. Schon spottet der Ehrenfelder CDU-Chef Jörg Uckermann, ein eingefleischter Moschee-Gegner, über ein "islamisches Disneyland".------------------------------Foto: 55 Meter hoch sollen die beiden Minarette der Moschee in Köln-Ehrenfeld werden. Das Gebetshaus bietet 2 000 Gläubigen Platz.