Die ersten Grashalme waren schon zu sehen. Ein zartes Grün schimmerte einige Wochen lang auf der etwa 20 000 Quadratmeter großen Fläche des Schlossplatzes, auf der früher der Palast der Republik stand. Eine Wiese zum Ausruhen und Spielen soll dort bis zum geplanten Bau des neuen Schlosses im kommenden Jahr entstehen. Doch jetzt sind die dünnen Grashalme wieder verschwunden, eingeebnet unter einer dicken Schicht Mutterboden. Große Packen Rollrasen liegen auf dem Areal am Schlossplatz. Sie sollen in den kommenden zweieinhalb Wochen ausgebracht werden, sagte der Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Marko Rosteck, gestern der Berliner Zeitung.Der Grund für die Aktion: Die Wiese wäre nicht mehr in diesem Sommer, sondern erst im September oder Oktober begehbar geworden. Der Rasensamen, so Rosteck, sei wegen der langen Frostperiode einfach zu spät ausgesät worden. "Weil wir den Menschen möglichst viel Zeit geben wollten, die Fläche zu nutzen, haben wir uns entschieden, den Rollrasen zu verlegen", so Rosteck. Ganz billig ist dies nicht. 118 000 Euro kostet das Grün. Davon trägt das Land Berlin etwa ein Drittel der Kosten, der Bund bezahlt den Rest. Die Rasenaussaat kostete bereits rund 20 000 Euro, sagte der Behördensprecher. Zumindest diesen Betrag hätten sich das Land und der Bund sparen können - wenn man sich sofort entschieden hätte, Rollrasen zu verlegen.Warum wurde also nicht gleich der Rollrasen genommen? Wahrscheinlich, um es billiger zu machen, vermutet Rosteck. Nun wird es also teurer. Und länger dauert es außerdem. Wäre der Rollrasen schon im frühen Frühjahr verlegt worden, könnten die Berliner längst auf der Volkswiese auf dem Schlossplatz in der Sonne liegen und auf den drum herum errichteten Holzstegen spazieren gehen.Palastreste unter der ErdeDie Fläche, auf der früher der Palast der Republik stand, wird nach einem Entwurf des Büros Relais Landschaftsarchitekten gestaltet. Auf dem Rasen sollen die Besucher später Federball, Volleyball oder Frisbee spielen - oder sich einfach ausruhen. Auf den am Rand geplanten Holzstegen kann man am Spreeufer promenieren und die geplanten archäologischen Grabungen auf dem Schlossplatz verfolgen.Unter dem Rollrasen befinden sich noch immer die Kellergeschosse des Palastes der Republik. Sie wurden bei den Abbrucharbeiten nicht entfernt. Bei Bedarf können sie in den Schlossneubau integriert werden. Werden die Untergeschosse nicht benötigt, sollen einfach nur die seitlich aufragenden Wände abgetragen werden. Die Bodenplatte kann im Erdreich verbleiben und überbaut werden.Die Panne bei der Begrünung reiht sich ein in eine Kette von Fehleinschätzungen beim Abriss des Palastes der Republik. So verteuerte sich der zunächst auf zwölf Millionen Euro veranschlagte Rückbau des Gebäudes, am Ende waren es 32 Millionen Euro. Grund: überraschende Asbestfunde. Außerdem dauerte der Abriss fast drei Mal so lange wie geplant.------------------------------Foto: Wird jetzt einfach ausgerollt: die Wiese für den Schlossplatz.