Erste Pläne für den teilweisen Abriss von Plattenbauten in Marzahn / 2 158 Wohnungen betroffen: Aus elf mach drei

Aus elfstöckigen Gebäuden sollen drei- bis vierstöckige Häuser werden, attraktive Dachgärten und Maisonette-Wohnungen entstehen. So soll sich das Viertel zwischen Rosenbecker und Eichhorster Straße künftig präsentieren. Das Kaulsdorfer Büro Schüttauf & Persike hat gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Marzahn (WBG) nach Ideen zur Umgestaltung des Viertels in Marzahn-Nord gesucht. Denn in den unsanierten Plattenbauten an der Havemannstraße wollen immer weniger Menschen wohnen. Etwa zwölf Prozent beträgt die Leerstandsquote bei der WBG, rund 3 000 Wohnungen der städtischen Gesellschaft stehen leer. 12 000 sind es im Großbezirk insgesamt.2 158 Wohnungen will die WBG in den nächsten drei bis fünf Jahren abreißen. Erstmals in Berlin sollen damit Plattenbauten im großen Stil fallen. Allen 25 800 WBG-Mietern wurde das jetzt brieflich mitgeteilt. Im Viertel Rosenbecker-/Eichhorster Straße sollen etwa 60 Prozent der Wohnungen abgerissen werden. Auch für das Gebiet um die Karl-Holtz-Straße ist Ähnliches geplant."Die großen Wohnmaschinen sind nicht mehr gefragt", sagt WBG-Chef Hartmut Meuter. "Die Mieter wollen kleinere Häuser mit neuen Qualitäten." Entscheidend für die Vermietung sei bei dem entspannten Wohnungsmarkt inzwischen die Lage der Wohnung. Viertel wie Marzahn-Nord, die zu DDR-Zeiten dichter und höher bebaut wurden als ursprünglich geplant, müssten neu gestaltet werden. Finanziell sei das Projekt "machbar". Nach Berechnungen der WBG betragen die Kosten für Abriss und Rückbau inklusive Sanierung der Gebäudereste etwa 530 Euro pro Quadratmeter. Abriss und anschließender Neubau kosten etwa 800 Euro pro Quadratmeter. Am billigsten wäre der Totalabriss: Der wird mit etwa 60 Euro gefördert. "Doch damit hätte man keine neue städtebauliche Qualität", sagt Meuter. Anschließend billige Parks und Grünflächen zu bauen, sei keine Lösung.Gegen die Abrisspläne in Marzahn wendet sich die PDS. Bürgermeister Uwe Klett und Stadtentwicklungsdezernent Heinrich Niemann (beide PDS) haben erst kürzlich scharfe Kritik an die Adresse von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) und die WBG gerichtet. Sie fordern eine Beteiligung des Bezirks an allen Überlegungen.Wolf Schulgen, Abteilungsleiter Wohnen in der Stadtentwicklungsverwaltung, sagt: "Der Bezirk war bisher beteiligt und wird es bei allen Entscheidungen auch künftig sein." Lediglich bei der Berechnung der Kosten verschiedener Varianten seien die Fachleute zunächst unter sich geblieben. Die Marzahner Vorschläge würden derzeit auf ihre Finanzierbarkeit geprüft. Ende Oktober soll ein entsprechendes Konzept fertig gestellt sein. Die WBG sieht der Entscheidung optimistisch entgegen: Im Oktober will sie in der Havemannstraße 17a ein Beratungsbüro einrichten und ihre Pläne den Bürgern vorstellen.Die "Berliner Zeitung" zeigte bereits gestern Mietern aus der Havemannstraße 7-15, wie der Elfgeschosser mit nur noch drei und vier Etagen aussehen könnte. "Wir möchten dort so eine Dachgarten-Wohnung haben", sagten Anneliese und Eckard Bernheiden sofort. Die Rentner, die 1987 zu den ersten Mietern gehörten, suchen seit zwei Jahren eine neue Wohnung. Geblieben sind sie bisher wegen der verkehrsgünstigen Lage und der guten Versorgung mit medizinischen und Handelseinrichtungen. "Wenn das Projekt nichts wird, sind wir aber weg", sagt Eckard Bernheiden. Christin Rüb (30) würde mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern auch einen zweimaligen Umzug auf sich nehmen - für die Bauarbeiten muss der Elfgeschosser leer gezogen werden -, um im neu gestalteten Block dann eine schönere Wohnung zu bekommen. "Die Miete muss aber bezahlbar bleiben", sagt die Glas- und Gebäudereinigerin. Altenpflegerin Lydia Sluzkich (42) findet die Pläne "überzeugend", obwohl ihre Wohnung im 9. Stock wegfallen soll. Ihre Familie werde sich aber wohl eine billigere Wohnung suchen. Dabei hofft sie auf die Hilfe der WBG - auch bei den Umbaukosten für ihre Einbauküche.Platz für Neues // Stadtumbau Ost: Im preisgekrönten Wettbewerbsbeitrag des Bezirkes "Stadtumbau Ost" wird Abriss und Rückbau in fünf Gebieten von Marzahn und Hellersdorf vorgeschlagen.Erste Pläne: Als Einziges der 50 Wohnungsunternehmen im Bezirk hat die WBG Marzahn bisher konkrete Pläne. 2 158 Wohnungen, insbesondere in Marzahn-Nord, sollen weg.Abriss: Abgerissen werden die Hochhäuser Oberweißbacher Str. 2-4, Marchwitzastr. 1-3 sowie der Elfgeschosser Niemegker Straße 17-23. Andere Häuser werden verkleinert.Grafik: SIMULATION: SCHÜTTAUF & PERSICKE So soll es werden: Der Elfgeschosser Havemannstraße 7-15 nach teilweisem Abriss und Umbau. Auf den Dächern könnte es Solaranlagen oder künstlerisch gestaltete Giebel geben. Auch Wohnungen mit Dachgärten entstehen. Die Eingänge werden neu gestaltet.Foto: BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Soll etagenweise abgetragen werden: Elfgeschosser an der Havemannstraße.