Mehr als 100 Menschen fielen der Schlamperei zum Opfer. Das in Seoul eingestürzte Kaufhaus Sampoong hatte Baumängel, ernsthaft kontrolliert wurde von den Behörden nicht.Südkoreanische Unternehmer haben verantwortlungslos gebaut und im Unglücksfall schockierend falsch reagiert. Die Behörden drückten - vermutlich mit viel Geld - die Augen zu. So das erste Fazit der südkoreanischen Medien am Freitag nach dem verheerenden Kaufhauseinsturz, der mindestens 100 Tote und mehr als 1 000 Verletzte forderte. Schlampige Bauausführung und sträflich-nachlässige Kontrollen haben den Einsturz des luxuriösen Kaufhauses Sampoong in Seoul verursacht. Das wenigstens teilte auch Bürgermeister Choi Byung-yul der entsetzten Seouler Öffentlichkeit als erstes Resultat polizeilicher Untersuchungen mit.Während am Unglücksort im Süden von Seoul am Tag nach dem Desaster mehr als 3 000 Polizisten, Feuerwehrleute und Soldaten unter schwierigen Bedingungen nach den noch 250 Vermißten suchen, wird der Ruf nach den Verantwortlichen dieser Katastrophe immer lauter. Polizei und Staatsanwaltschaft haben mit der Vernehmung von fünf Managern des Kaufhauses begonnen, das am Donnerstag in der Haupteinkaufszeit wie ein Kartenhaus zusammengestürzt war. Die Stärke der Baustrukturen - so zeigen erste Analysen - reichte überhaupt nicht aus. Zusätzliche, nicht genehmigte Anbauten und ständige Veränderungen haben die ursprüngliche Statik verändert. Das Schlimmste aber hätte noch verhindert werden können, wenn die Verantwortlichen wenigstens die deutlichen Anzeichen des Desasters ernstgenommen hätten.Angestellte und Restaurantbesitzer im 5. Stockwerk unter dem Dach hatten bereits seit Tagen und besonders am frühen Donnerstag vormittag über bedrohliche Risse, verzogene Decken und bröckelnden Putz geklagt. Kurz darauf tropfte Wasser durch das Dach. Man alarmierte Warenhausbesitzer und Sicherheitsinspektoren. Das Obergeschoß wurde geschlossen. Bei einer anschließenden Krisensitzung aber entschieden die Betreiber, das Haus nicht generell dichtzumachen. Mindestens in zwei Etagen lief gerade ein profitabler Ausverkauf, der nicht gestoppt werden sollte. Im Sampoong-Warenhaus pilgerten zur Unglücksstunde in der Haupteinkaufszeit vermutlich mehr als eintausend Menschen durch die über 500 Geschäfte. Vor allem Frauen suchten in den Lebensmitteletagen nach einem günstigen Schnäppchen für das Abendessen.Beobachter dieses aufstrebenden Industriestaates in Ostasien glauben durch die Bank, daß der gnadenlose Konkurrenzkampf südkoreanischer Bauunternehmen um Aufträge zu dem jüngsten Unglück geführt hat. Um sich bei den Kosten um jeden Preis gegenseitig zu unterbieten, werden die auch in Südkorea geltenden allgemeinen Sicherheitsstandards offenkundig häufig ignoriert. Bestechung ersetzte wieder einmal Qualität, so das erste Resümee in den Medien und auf den Straßen Seouls.