Der Bau einer weiteren Nord-Süd-S-Bahn im Berliner Stadtzentrum stößt auf Probleme. Der Bund hat bekräftigt, dass er die geplante S-Bahn-Linie 21 für unnötig hält. "Diese Strecke kann nicht begründet werden", sagte Felix Stenschke, Sprecher von Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD), der "Berliner Zeitung". Der Senat könne also nicht damit rechnen, dass der Bund Geld für die S 21 gibt. "Berlin muss diese S-Bahn selbst finanzieren", sagte Stenschke. Der Bund habe bereits vor einiger Zeit das Bauprojekt im Zusammenhang mit der Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 bewertet. Das Ergebnis: Die U-5-Erweiterung, die vom Alexanderplatz zum Lehrter Bahnhof führen soll, sei wichtiger als die S 21.Die Verkehrsplaner im Senat sehen dies anders. Für sie hat diese S-Bahn große Bedeutung, weil sie große Gebiete im Norden und im Süden Berlins mit dem Lehrter Bahnhof verbindet. Gäbe es diese Strecke nicht, könnten zum Beispiel die Bewohner von Steglitz, Schöneberg, Frohnau oder Pankow den neuen Zentralbahnhof nur mit Umsteigen erreichen. Die S 21 würde die Akzeptanz des Lehrter Bahnhofs, dessen Baukosten auf 2,5 Milliarden Mark geschätzt werden, erhöhen. Im Oktober 2000 hat die Bahn damit begonnen, den Bau des nördlichen Teilstücks vorzubereiten. Der 3,8 Kilometer lange Abschnitt soll ab 2006 vom Lehrter Bahnhof zum nördlichen S-Bahn-Ring führen. Für die vorgezogenen Baumaßnahmen hat der Senat 84,5 Millionen Mark bereitgestellt. Die gesamten Baukosten belaufen sich aber auf 280 Millionen Mark. Damit fehlen für den betriebsfertigen Ausbau fast 200 Millionen Mark. Dieses Geld müsste nach Auffassung des Bundes allein vom finanzschwachen Berlin aufgebracht werden. Könnte das Land nicht bezahlen, würden die S-21-Rohbauten zu Ruinen."Wir sind sehr daran interessiert, dass wir für diese wichtige Strecke Bundeshilfe bekommen", sagte Georg Müller, Nahverkehrsplaner in der Senatsverwaltung. "Der Nordteil der S 21 ist eminent wichtig und absolut zwingend für den Erfolg des Lehrter Bahnhofs", sagte Alexander Kaczmarek, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Die Weigerung des Bundes, sich zu beteiligen, schafft "erheblichen Diskussionsbedarf". "Die Verlängerung der U 5 ist nur eine weitere Ost-West-Strecke. Doch die S 21 wird wirklich gebraucht", sagte Matthias Horth, Vize-Vorsitzender des Fahrgastverbandes IGEB. Er forderte den Senat auf, mit dem Bund endlich über den S-Bahn-Ausbau zu sprechen. Horth: "Die Strecke von Wartenberg zur Sellheimbrücke hat für uns eine geringere Priorität." Falkensee-Strecke wird geprüft Im Vergleich zur S 21 haben zwei andere Projekte größere Aussichten, verwirklicht zu werden. Brandenburg habe beim Bund Geld für den Wiederaufbau der S-Bahn-Strecke Hennigsdorf-Velten beantragt, sagte Stenschke. Aus Sicht des Landes könnte der Bau 2003 beginnen. Außerdem werde untersucht, ob die Nachfrage den Bau einer S-Bahn von Spandau nach Falkensee rechtfertigt, sagte der Bodewig-Sprecher: "Diese Prüfung wird Mitte 2001 abgeschlossen. Danach gibt es eine vertiefende Untersuchung zur Wirtschaftlichkeit." Es sei also nicht ausgeschlossen, dass Falkensee wieder S-Bahn-Anschluss erhält. Möglicher Baubeginn: 2002 oder 2003.BERLINER ZEITUNG / KATRIN BORN Die S 21 führt vom neuen Bahnhof nach Norden und Süden.