Die SPD ist erstmals seit Monaten wieder stärkste Partei in Berlin. Dies ergibt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung. Bei der sogenannten Sonntagsfrage ("Welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Wahlen wären?") erreichen die Sozialdemokraten im Dezember 27 Prozent, einen Punkt mehr als im Vormonat. Die Grünen allerdings, seit dem Spätsommer Umfragesieger in der Hauptstadt, brechen um drei Punkte ein und kommen nur noch auf 25 Prozent. Das ist im Vergleich zum Wahlergebnis von 2006 (13,1 Prozent) zwar noch fast doppelt so viel. Der staunenswerte Höhenflug der Grünen mit dem Umfragerekord von 30 Prozent im September ist aber neun Monate vor der Berlin-Wahl am 18. September 2011 vorerst vorbei. Forsa befragte 1004 Berliner zwischen dem 7. und dem 16. Dezember 2010.Bei den anderen Parteien ergeben sich nur geringfügig andere Werte. Die CDU kommt auf 19 Prozent (plus 1), die Linke auf 15 (minus 1), die FDP wäre mit vier Prozent der Stimmen (plus 1) nach wie vor nicht im Abgeordnetenhaus vertreten. Das Absinken der grünen Ergebnisse hatte sich bereits vor der offiziellen Kandidatur von Renate Künast als Herausforderin des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) Anfang November angedeutet. Künasts Bewerbung konnte diesen Trend nicht aufhalten. Auch stießen einige ihrer Äußerungen zur Landespolitik auf Unverständnis, etwa der Vorschlag, vom künftigen Großflughafen BBI aus Lärmschutzgründen nur europäische Ziele anzufliegen. Auch Anhänger der Grünen sind enttäuscht vom Auftritt Künasts, die derzeit Bundestagsfraktionschefin ist und bei einer Wahlniederlage auch in der Bundespolitik bleiben will.Im direkten Vergleich der Spitzenkandidaten kann Amtsinhaber Wowereit seinen Vorsprung vom Vormonat noch einmal vergrößern. Fast die Hälfte der Berliner sähe den Chef des rot-roten Senats gern weiterhin im Amt: 47 Prozent würden Wowereit wählen, wenn es eine Direktwahl gäbe (tatsächlich wählt die Mehrheit des Abgeordnetenhauses den Regierungschef), das sind fünf Punkte mehr als zuvor. Künast dagegen verliert erneut zwei Punkte und kommt auf 25 Prozent. Wowereit kann den Abstand zu seiner grünen Gegnerin damit von 15 auf 22 Prozent ausbauen. Noch im Oktober lagen beide gleichauf. Der Amtsinhaber liegt erneut in beiden Teilen Berlins vorn, im Osten aber noch deutlicher: Dort würden 55 Prozent Wowereit direkt wählen, Kunast lediglich 19 Prozent. Im Westen liegt Wowereit mit 40 zu 29 vorn.Der dritte (mutmaßliche) Anwärter auf den Job des Senatschefs, CDU-Partei- und Fraktionschef Frank Henkel, bleibt mit zehn Prozent nach wie vor abgeschlagen. Die großen Verschiebungen von Grün nach Rot sind am CDU-Spitzenmann vorbeigegangen, denn seine Werte haben sich kaum geändert. Auch die Anhänger der eigenen Partei überzeugt Henkel nur in Maßen: Im Direktvergleich gäben 37 Prozent der CDU-Anhänger Henkel ihre Stimme, aber 34 Prozent würden Wowereit wählen. Die Hauptstadt-CDU kann dabei ihr Potenzial nicht ausschöpfen: Wäre am Sonntag Bundestagswahl, gäben 23 Prozent der Berliner der Union ihre Stimme.Die Berliner vertrauen zudem der SPD mehr als je zuvor in diesem Jahr. Auf die Frage, welche Partei mit den Problemen der Hauptstadt am besten fertig werde, antworten 26 Prozent SPD - im Vormonat waren es noch 19 Prozent. Der bemerkenswerte Sprung geht offenbar vor allem auf Kosten der Grünen, die bei der Kompetenz-Einschätzung fünf Punkte verlieren. Die Sozialdemokraten zeigen auch das größte Selbstbewusstsein. Fast zwei Drittel der SPD-Anhänger glauben an die Kompetenz der eigenen Partei, deutlich mehr als bei allen Konkurrenten.------------------------------Halb Berlin steht auf Klaus WowereitVergleich: Eine Direktwahl des Regierenden Bürgermeisters gibt es in der Hauptstadt nicht, insofern bringt die Frage nach den Kandidaten zwar Auskünfte über deren Ansehen in der Bevölkerung, aber nicht über die Parteipräferenz. Laut Verfassung wählt das Abgeordnetenhaus, zusammengesetzt nach den Zweitstimmen, den Senatschef. Für das Amt kann sich jeder bewerben, unabhängig von einem Mandat.Koalitionen: Rot-Grün hätte nach der neuesten Umfrage im Abgeordnetenhaus (wie seit etlichen Monaten) eine solide Mehrheit. Für die amtierende Koalition aus SPD und Linkspartei reichte es dagegen zurzeit nicht. Auch Grün-Schwarz hätte eine knappe Mehrheit, in dieser Konstellation wäre auch eine grüne Senatschefin möglich. Voraussetzung dafür ist, dass die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert.------------------------------Grafik: Direktwahl Berliner Bürgermeister. Klaus Wowereits (SPD) Vorsprung vor Renate Künast (Grüne) wuchs in nur drei Monaten von null auf 22 Prozent.Grafik: Sonntagsfrage. Die SPD stieg in den vergangenen Monaten langsam, aber stetig. Die Grünen sind die Spitzenposition los.Grafik: Ein Parteiloser hat sich die Spitze der beliebten Politikertreppe erkämpft - und dann noch ausgerechnet der Finanzsenator, den sonst keiner mag, weil er immer allen was wegnehmen will: Ulrich Nußbaum, 53 Jahre, steht erstmals ganz oben. Seinem Amtsvorgänger Thilo Sarrazin ist dies nie gelungen. Die Gründe liegen im Dunkeln.