Der historische Gendarmenmarkt erstrahlt im alten architektonischen Glanz: Am Mittwoch um 15 Uhr wird Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth den Deutschen Dom offiziell wiedereröffnen. Die Französische Friedrichstadtkirche und das Schauspielhaus waren bereits zu DDR-Zeiten restauriert worden.Auch Berliner und Touristen können erstmals nach Jahrzehnten an diesem Tag den Deutschen Dom besichtigen. Aufgebaut ist mittlerweile die Ausstellung "Fragen an die deutsche Geschichte", die bis zum Umbau im ehemaligen Reichstagsgebäude untergebracht und danach in einem Spandauer Depot zwischengelagert war. Aus Platzmangel wird die Ausstellung allerdings fast um die Hälfte verkleinert. Weniger Platz Statt bisher 3 000 Quadratmeter stehen nur noch 1 800 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. "Die beliebten Inszenierungen fallen weg", so Winfried Pahl von der Berliner Außenstelle des Bundestages. Zu den "Inszenierungen" gehörten dreidimensionale Bühnenbilder mit Szenen etwa aus der Nachkriegszeit. Nach Angaben von Pahl müssen Besucher künftig "mehr lesen", das heißt, mit vielen Schautafeln, Dokumentationen und Texten vorliebnehmen. Wie schon im ehemaligen Reichstagsgebäude beginnt der Gang durch die Geschichte mit der Zeit um 1800. Eine Ebene höher wird über Kaiserreich und den Ersten Weltkrieg informiert. In der dritten Ebene stehen Weimarer Republik und das NS-Regime im Mittelpunkt. Direkt unterhalb des Cafes und der Kuppel geht es um die Entstehung und Entwicklung der Bundesrepublik bis zur Gegenwart. Hausherr des Deutschen Domes ist bereits seit Anfang August der Deutsche Bundestag. Die Bundestagsverwaltung verzichtet auf ein Eintrittsgeld. Die Geschichte des Deutschen Domes begann, als 1700 durch Erlaß festgelegt wurde, eine Deutsche und zugleich eine Französische Kirche auf dem Platz zu bauen. Die Deutsche Kirche wurde von Martin Grünberg entworfen und von Giovanni Simonetti ausgeführt. Der Grundriß bildete ein Fünfeck. Zwischen 1781 und 1785 ließ Friedrich II. an der Deutschen Kirche wie an der Französischen Kirche Kuppeltürme anbauen. Der Turm des Deutschen Domes steht auf einem quadratischen Unterbau, der an drei Seiten tempelartige Vorhallen hat, die von korinthischen Säulen getragen werden. Die Nutzung der Turminnenräume blieb erheblich eingeschränkt. Der Turm galt vor allem als Schaustück einer gelungenen Platzgestaltung. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg begannen Mitte der 80er Jahre Sanierungsarbeiten. Die weitere Planung für den Komplex übernahm 1992 der Architekt Jürgen Pleuser. Er ließ bewußt die Einbauten aus der DDR-Zeit stehen und fügte diesen Modernes hinzu. So ist die bis unter die Kuppel führende Stahlbetontreppe ebenso wie Teile der stählernen DDR-Kuppelkonstruktion erhalten geblieben. Wiederaufbau verzögert Insgesamt sind für die vierjährigen Sanierungsarbeiten 38 Millionen Mark ausgegeben worden. Verzögert hatte sich der Wiederaufbau des Deutschen Domes auch wegen eines Großbrandes. Als das Gebäude nahezu fertig war, brach am 26. Oktober 1994 ein Feuer aus. Die Holzverkleidung unter dem Kuppeldach brannte aus, die Kuppel aber hielt stand. mm Öffnungszeiten: Täglich außer montags und feiertags von 10 bis 17 Uhr, am Mittwoch ausnahmsweise von 17 bis 20 Uhr. +++