POTSDAM. Der Name Erwin Köhler ist kaum geläufig in Potsdam. Dabei gehörte Köhler als Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg der ersten Stadtverwaltung an. Vier Jahre übte der CDU-Mann den Posten aus. Anfang der 50er-Jahre wurden er und seine Frau Charlotte vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet, wegen antisowjetischer Hetze zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet. Heute, 59 Jahre später, wird in der Landeshauptstadt ein Platz nach dem Ehepaar benannt. Der Zimmerplatz in der City wird dann Köhlerplatz heißen.Eine gute Entscheidung, meint der Potsdamer Historiker Thomas Wernicke. Köhler sei 1950 in die Mühlen einer SED-Kampagne geraten. Die erste Einheitswahl stand bevor und die Bildung der Nationalen Front, in der die Blockparteien zur Zusammenarbeit mit der SED genötigt wurden. "Köhler hat sich dagegen gewehrt", so Wernicke. Er sei ein frühes Beispiel dafür, wie sich die SED mit Hilfe der sowjetischen Besatzungsmacht des blanken Terrors bediente. Ein Mann aus den eigenen CDU-Reihen - ein Mann des sowjetischen Geheimdienstes - hatte Köhler denunziert.Paragraf 58Am 2. März 1950 sah sich der Bürgermeister gezwungen, von seinem Amt zurückzutreten. Am Morgen des 28. März 1950 wurde er zusammen mit seiner damals 17-jährigen Tochter auf der Straße verhaftet. Wenig später holten der sowjetische Geheimdienst und Beamte des Kommissariats 5, einem Vorläufer der Staatssicherheit, Köhlers Frau. Die Tochter wurde wieder freigelassen. Sie und ihre drei Geschwister sahen ihre Eltern nie wieder.Erwin und Charlotte Köhler wurden nach ihrer Verhaftung in das Gefängnis in der Lindenstraße gebracht. Angeklagt wurden sie nach dem berüchtigten Artikel 58 des sowjetischen Strafgesetzbuches wegen "Spionage für den französischen Geheimdienst" und der "Konterrevolutionären Agitation und Propaganda". "Paragraf 58 war ein politischer Paragraf, nach dem missliebige Personen verurteilt wurden", sagt Wernicke. Erwin und Charlotte Köhler wurden zum Tode verurteilt, in die Sowjetunion deportiert und im Februar und März im berüchtigten Butyrka-Gefängnis erschossen."Die Enthüllung des Straßenschildes mit den Namen des Ehepaares Erwin und Charlotte Köhler wird dazu beitragen, diesen mutigen Demokraten den Platz in der Stadtgeschichte zuzuweisen, der ihnen gebührt", sagt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD).1992 gelang es Jürgen Köhler, dass seine Eltern durch die russische Staatsanwaltschaft rehabilitiert wurden. Der Sohn, der bei Pflegeeltern aufwuchs, wird nicht bei der heutigen Ehrung seiner Eltern dabei sein. Er starb vor Kurzem.------------------------------Karte: Potsdam. Umbenennung