Vineta hat schon immer die Phantasie von Künstlern und Wissenschaftlern angeregt. Reich, kultiviert und tolerant soll die slawische Stadt an der Ostsee gewesen sein doch irgendwann, vermutlich im 12. Jahrhundert, verschwand sie im Meer. Als "Atlantis des Nordens" geistert Vineta seither durch Gedichte und Lieder, inspiriert touristische Massenspektakel auf Usedom und ermöglicht experimentelle Performances im Podewil.Mit letzteren beschäftigt sich das Duo Akt. Tone Avenstroup und Otmar Wagner arbeiten seit Januar dieses Jahres als "artists in residence" im Podewil. Nach zwei Annäherungen im Frühling präsentierten sie am Montag in einer einmaligen Aufführung unter dem Titel "Vineta Exkurs" die dritte Version: eine multimediale, aus Worten, Bildern, Klängen und Licht gebildete Meditation über die verschwundene Stadt."Was ist Vineta für dich?" fragt Wagner seine Partnerin Avenstroup zu Beginn. Sie schildern eine Fahrt auf die Insel Wollin, wo die sagenhafte Stadt gestanden haben soll; sie tragen die historischen Fakten vor; sie erwähnen die ersten Ausgrabungen von 1934 bis 1940. Stimmen von Archäologen werden über Tonband eingespielt, und überhaupt erfährt man eine ganze Menge über Vineta bis hin zur aktuellen These, daß Vinetas Feinde Dämme zerstört und so die Stadt überflutet haben sollen. Da eine Performance aber keine Geschichtslektion ist, wird der Text durch Bilder und Aktionen überlagert und ergänzt. Fünf Leinwände sind über das Foyer des Podewil verteilt; darauf werden alte Landkarten, Texte aus Chroniken und Notenblätter projiziert, die ihrerseits in kleine Wasserbecken getaucht sind. Gelegentlich deuten die Performer Schwimmbewegungen durch den Raum an, was recht possierlich aussieht; und einmal befestigen sie, wie Höhlenforscher, eine Lampe an ihrer Stirn.Sehr geheimnisvoll allerdings ist die Performance nicht: Zu viel wird illustriert, zu wenig konterkariert. Konsequent durchgehalten wird immerhin das Motiv des Spiegels (dazu veranlaßt wurde Akt durch den Bericht eines Forschers, der beim Tauchen über sein eigenes Spiegelbild erschrak). Mehrere kleine Spiegel im Raum drehen sich um sich selbst; Wagner und Avenstroup gehen umher, zweistimmig einen kryptischen Text ("Der Spiegel ist eine Heterotopie") sprechend und einen eigenartigen Sog erzeugend.Noch schöner ist eine andere Idee: Mittels Pumpen strömt Luft in die kleinen Wasserbecken, so daß es in diesen zu blubbern beginnt. Dieses Blubbern wird auf die Leinwände übertragen, wo die Landkarten, Notenblätter und Texte nun von korallenähnlichen Gebilden überlagert werden und ganz allmählich verschwinden wie einst Vineta.