Es war 2001 und in Köln, als aus Schneebällen Herzen wurden, und die Bewohnerinnen der dortigen Villenvororte eine nie dagewesene Solidarität erlebten. Erobert wurden die Herzen von Frauen, die das viele, das sie besaßen, manchmal vermehrten, meistens aber nicht. Es waren die Schneebälle eines Pyramidenspiels, ganz neu als "Herzkreis" getarnt. Ganz alt - die Regeln des Spiels: Viele geben, wenige nehmen.Es ist 2004 und in Berlin, als ein Schneeball die Stadt erfasst. Wie schon im Rheinland ist er zu einem Herz geformt, gefüllt mit einer Mischung aus Solidarität, Einsamkeit, Esoterik und Gier. Der Schneeball rollt nicht irgendwo hin. Er überrollt die Frauen des Bürgertums: Journalistinnen, Juristinnen, Filmschaffende, Zahnarztfrauen. In seinen Broschüren verspricht das System "ein Gefühl von Freiraum und Überfluss", predigt "den kostbaren Schritt des Schenkens", die "ungeheure Energie des Empfangs" oder schwadroniert von "kybernetischen Kreisläufen."Sein Gesicht ist mal das einer kanadischen Nonne, wahlweise das einer New Yorker Geschäftsfrau oder das einer britischen Feministin. Die Gesichter gehören zu dem Gründungsmythos einer weltumfassenden Frauengemeinschaft, die kraft der Herzkreise "Geldenergien reinigt", "weiblichen Optimismus" verbreitet, wenn nicht sogar den Welthunger besiegt. Der esoterische Unterbau ist eine Neuheit bei Pyramidenspielen. Ebenso die Exklusivität der Treffen. Bei Herzkreisen werben Freundinnen Freundinnen. Die Kreise sind hoch emotionale Gruppenprozesse. Ihr Höhepunkt ist die "Schenkungsfeier", die eine aus dem Kreis meist um 40 000 Euro reicher macht (siehe unten). Eine Zeitlang, wie bei Pyramidenspielen so üblich, geht das gut. Doch schon bald gehen den Freundinnen die Freundinnen aus - im doppelten Sinne. Zum einen fehlt der Nachschub, zum anderen zerbrechen langjährige Beziehungen, wenn die von der besten Freundin angeworbenen Frauen realisieren, dass sie wohl nie in den Genuss der Schenkungsfeier kommen werden, ihr Geld also unwiderruflich verloren haben. Es war im Jahr 2003 und im Rheinland, als aus Schneebällen eine Prozesslawine wurde. Allein die Fälle, die der Kölner Rechtsanwalt Erik Millgramm derzeit bearbeitet, umfassen ein finanzielles Volumen von 1,5 Millionen Euro. Dabei ging es doch gerade bei den Herzkreisen um mehr als Geld. Dumm nur, wenn man dafür seine Freunde verkaufen muss.Foto: Herzkreise versprechen positive Energie. Die finanzielle Bilanz ist jedoch meist negativ.