Der Flughafenarchitekt Dieter Faulenbach da Costa hat seit 1985 an Dutzenden Flughafenprojekten in mehr als 40 Ländern mitgearbeitet, darunter in Chile, England, Russland und den USA. Bis 1999 beteiligte er sich auch an der Planung des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International (BBI). Dann machte er sich selbstständig und arbeitete ab 2005 auch als Gutachter für die Flughafengegner. Faulenbach da Costa betreibt in Offenbach ein Airport-Consulting-Büro.Herr Faulenbach, das BBI-Terminal wird jetzt neu ausgeschrieben, weil die Angebote mehr als 400 Millionen Euro über den geplanten Baukosten von 620 Millionen lagen. Wie kann es zu solchen gewaltigen Abweichungen kommen?Wer ein Terminal für mehr 20 Millionen Passagiere haben will, muss mindestens eine Milliarde Euro investieren. Die Vorgabe war illusorisch.Warum?Im Planfeststellungsbeschluss für den BBI wird von 9 000 Passagieren ausgegangen, die in Spitzenzeiten das Terminal nutzen. Für jeden von ihnen stehen statistisch, so ist nachzulesen, 43 Quadratmeter zur Verfügung. Bei einem Terminal müssen 3 500 Euro je Quadratmeter veranschlagt werden. Das macht unter dem Strich 1,3 Milliarden Euro.Sind 3 500 Euro nicht sehr hoch angesetzt?Nein. Schon der Bau des Terminals 2 in Frankfurt/Main Anfang der 90er-Jahre kostete 7 000 Mark pro Quadratmeter. Für ein halbwegs repräsentatives Empfangsgebäude muss so viel investiert werden. Schon bei den Planungen 1998/99 mit Hochtief gingen wir von Baukosten von 800 Millionen bis eine Milliarde Euro aus. Es darf auch nicht vergessen werden, dass der Bau eines Terminals auf einem unterirdischen Bahnhof besondere Anforderungen stellt und nicht gerade kostensenkend wirkt.Ist das geplante Terminal in Schönefeld überdimensioniert?Es ist schon ziemlich groß geraten. Auch mit 28 bis 30 Quadratmetern je Passagier wäre das Terminal völlig ausreichend. Dann müsste allerdings auf überdimensionierte Flächen wie für den Verkauf und Restaurants verzichtet werden.Welche Größen sind in Europa üblich?Das Mittel bei internationalen Terminals in Europa liegt bei 25 Quadratmetern je Passagier, doch die Spanne ist groß. Die beiden Terminals in München haben jeweils 38 Quadratmeter. Dies ging aber nur, weil sich an den Baukosten die Lufthansa beteiligte. Das Terminal 1 in Frankfurt, das seinerzeit für 25 Millionen Passagiere ausgelegt war, hat weniger als 20 Quadratmeter. Dort werden jetzt 40 Millionen Fluggäste abgefertigt.Wie könnten die Kosten für das BBI-Terminal gesenkt werden?Es ließe sich schon einiges sparen. Erstens: Allein um etwa 500 Millionen Euro käme das Terminal billiger, wenn man die vorgesehene Fläche je Passagier von 43 auf 28 bis 30 Quadratmeter reduzierte. Als Zweites könnte das hochgerüstete Gepäcksystem stark vereinfacht werden, das für einen Umsteigeflughafen konzipiert ist. Aber im Jahr 2020 werden nur fünf Prozent der Passagiere, so die Prognosen, den Flughafen zum Umsteigen nutzen. Das ist eine zu vernachlässigende Größe. Gespart werden könnte auch an den völlig überdimensionierten Vorfeldern. Die Kosten sind zwar nicht direkt dem Terminal zuzuordnen, aber es geht ja insgesamt ums Geld.Was wäre die Alternative?Ein dezentrales Flughafensystem wäre für Berlin immer besser gewesen, aber dieser Zug ist abgefahren. Jetzt muss man sich zunächst einmal entscheiden, was für einen Terminal man haben will. Für 620 Millionen Euro, die vorgesehen sind, lässt sich vielleicht ein Terminal für den absoluten Low-Cost-Bereich bauen. Aber dort gäbe es dann keine Servicequalität, die Passagiere würden einfach durchgeschleust.Lässt sich mit der neuen Ausschreibung in sieben Losen der Eröffnungstermin für den neuen Großflughafen im Oktober 2011 noch halten?Ich denke schon. Allerdings nur, wenn Baulose zusammengeführt werden. Damit hätten dann aber kleine und mittelständische Unternehmen aus der Region keine Chance mehr, als Subunternehmer zum Zuge zu kommen.Das Gespräch führte Jürgen Schwenkenbecher.------------------------------Foto: Zumindest in der Computersimulation herrscht auf dem neuen Schönefelder Flughafen schon Hochbetrieb.------------------------------Foto: Dieter Faulenbach da Costa plant seit mehr als 20 Jahren Flughäfen in aller Welt.

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