Bernhard Badura ist seit 1991 Professor an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. Seine Schwerpunkte sind unter anderem Stressforschung, Gesundheitsmanagement und Evaluationsforschung. Wir sprachen mit ihm über betriebsbedingte Probleme und was sie auslösen.vvvHerr Badura, Sie haben in einer Studie herausgefunden, dass in sehr vielen deutsche Unternehmen schlechtes Betriebsklima herrscht. Wie kommt das?Mit der Globalisierung hat der Stress in vielen Unternehmen deutlich zugenommen. Wenn zum Beispiel ausländische Investoren Unternehmen kaufen und sie in einzelne Teile zerschlagen, dann ruft das Hilflosigkeit hervor. Darunter leidet die gesamte Stimmung.Wie wirkt sich das auf die Gesundheit der Mitarbeiter aus?Laut Fehlzeitenstatistiken sind die häufigsten Erkrankungen Rücken- und Skeletterkrankungen. Sie haben zwar physische Endpunkte, sind aber zu 80 Prozent psychosozial bedingt -durch Verspannungen, Ängste oder negative Gefühle insgesamt.Welche Folgen hat das schlechte Betriebsklima für die Unternehmen?Dort, wo die Unternehmenskultur geschwächt ist, nehmen Unfälle zu, die Qualität erleidet Einbußen und die Produktivität geht zurück. Nehmen wir das Beispiel Krankenhäuser: Funktioniert die Zusammenarbeit nicht gut, gehen Informationen verloren, leiden die Patienten, nimmt der Stress zu.Sie bringen Arbeitgebern bei, ein besseres Betriebsklima zu schaffen. Was genau lernen die Studierenden bei Ihnen?Wie der Arzt beim Patienten eine Diagnose erstellt, um herauszufinden, wo das Problem liegt, so lernen die Studierenden, woran ihre Organisation krankt, und was sie dagegen tun können. Mobbing, innere Kündigung oder mangelhafte Qualität sind alles Dinge, die maßgeblich mit den Organisationsbedingungen zusammenhängen, das heißt mit den Qualitäten des Topmanagements und der Unternehmenskultur.Ihr Credo: Es zahlt sich aus, in die Gesundheit der Mitarbeiter zu investieren. Wie soll das funktionieren, wenn sich gleichzeitig Überstunden und Minilöhne etabliert haben?An jedem Arbeitsplatz kann man etwas verbessern -ganz banale Dinge wie Technik, Möbel oder die Art des Büros. Wir möchten den Unternehmen aufzeigen, dass sie sich zu wenig an ihren Mitarbeitern orientieren. Das ist nicht nur ein humanitäres, sondern auch ein volkswirtschaftliches Problem, weil mehr Kosten im Gesundheitswesen erzeugt werden. Wir möchten Verbesserungsprozesse zum Thema Gesundheit einleiten. Das kommt Mitarbeitern, Unternehmen und der gesamten Volkswirtschaft zugute: weniger Unfälle, weniger Behandlung, weniger Frühverrentung.Interview: Frauke Janßen------------------------------Foto: Wer gestresst ist, arbeitet schlechter und gefährdet seine Gesundheit.