An einem Tag im Sommer 2001rollen Sattelschlepper in Berlin-Friedrichshagen an. Ihre Fracht wird auf dem Hof vor den ausgedienten Versuchshallen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ausgeladen. Es sind Gitterboxen und Paletten mit insgesamt 80 Kubikmeter Basaltgestein. Dunkel wie Kohle. Eine Masse aus kleinen und kleinsten Steinen in den Boxen, als kilo- bis tonnenschwere Fragmente auf den Paletten. Das ist alles, was von der berühmten Tell Halaf-Sammlung übrig ist.Niemand, der diese Splitter und Brocken sieht, würde vermuten, dass sie Teile von Greifen, Löwen und Götterstatuen sind und zu jenen einzigartigen Objekten gehören, die der deutsche Diplomat und Forschungsreisende Max von Oppenheim 1899 in Tell Halaf am Rand der syrischen Wüste entdeckt, auf eigene Kosten ausgegraben und nach Deutschland gebracht hat. Es sind Zeugnisse eines Volkes aus dem frühen 1. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung, das von Westen nach Nordsyrien zog und dort kleine Fürstentümer gründete. Die von Oppenheim entdeckten Bildwerke eines Palastes bilden die größte Sammlung aramäischer Bildwerke außerhalb ihres Herkunftsgebietes, der heutigen Türkei und Syrien.Einen kleinen Teil der Objekte lässt Oppenheim in Syrien und finanziert im syrischen Aleppo die Gründung eines Museums, in dem sie ausgestellt werden. Den Hauptteil aber präsentiert er in einem privaten Museum in Berlin-Charlottenburg, nachdem alle Verhandlungen mit den Königlichen Museen zu Berlin scheiterten. Über die Eröffnung des Tell Halaf-Museums am 15. Juni 1930 wird weltweit berichtet. Aber dreizehn Jahre später, bei einem Bombenangriff auf Berlin im November 1943, wird das Museum vollständig zerstört. Die Exponate aus Holz, Gips oder Kalkstein verbrennen. Die vom Brand erhitzten Basaltskulpturen zerspringen im kalten Löschwasser-Regen in tausende Stücke. Die zerstörte Sammlung kann jedoch trotz der Kriegswirren in den Wochen nach dem Angriff geborgen werden. Der Schutt der Statuen wird im Depot des Vorderasiatischen Museums gelagert, wo er nahezu unbeachtet die Jahrzehnte überdauert.Als die Fragmente, Splitter und Brocken nach mehr als 60 Jahren in Friedrichshagen eintreffen, werden sie dort von einem kleinen Spezialistenteam sehnlichst erwartet. Der Archäologe Lutz Martin, damals 46, seine Kollegin Nadja Cholidis, 37, und der Restaurator Stefan Geismeier, 36, wollen die Tell Halaf-Statuen wieder auferstehen lassen.Es ist ein grandioses, aber auch irrwitziges Projekt. Die Sammlung gleicht einem riesigen, dreidimensionalen Puzzle aus rund 27 000 Teilen, und Martin, Cholidis und Geismeier ahnen nur, was auf sie zukommt. Sie wissen nicht, wie sorgfältig die Bergungstrupps im November 1943 gearbeitet haben und wie viele Teile verloren sind. Sie können nicht sagen, wie die Großplastiken wirken werden, wenn sie aus tausenden Stücken wieder zusammen gesetzt sind. Und ihr größtes Problem ist, wie sie die Einzelteile überhaupt einem Objekt zuordnen sollen. Auf manchen Brocken sind Reliefs zu erkennen, Federn oder Fell. Auf anderen sieht man Muskelstränge, eine Nase oder ein Auge. Doch bei den Fragmenten aus dem Inneren der Figuren fehlen solche eindeutigen Merkmale völlig.Der Restaurator Stefan Geismeier hat in dieser Zeit viele schlaflose Nächte. Er grübelt, ob die restaurierten Götterstatuen ohne eine aufwendige Halterung stehen werden. Er denkt über die Klebetechnik nach und fragt sich, ob sie die Erfolgsaussichten nicht doch etwas zu optimistisch beurteilt haben. Seinen Kollegen sagt er nichts von seinen Zweifeln. Lutz Martin und Nadja Cholidis sind voller Enthusiasmus und glauben, dass sich schon irgendein Weg finden wird. "Die beiden haben das Ziel gesehen," sagt Geismeier. "Ich aber musste den Weg suchen, wie man dorthin kommen kann."Lutz Martin hatte als erster der drei die Reste der Tell Halaf-Sammlung gesehen. Es war Ende der siebziger Jahre, er war Student und absolvierte gerade ein Museumspraktikum im Vorderasiatischen Museum in Ost-Berlin. Was er sah, waren Schuttberge, und nie im Leben hätte er gedacht, dass sich daraus Bildwerke restaurieren lassen können. Auch keiner der Dozenten, Museumsmitarbeiter oder Forscher glaubte daran. Weggeworfen wurde der Schutt nicht, denn er gehörte der Max-von-Oppenheim-Stiftung in Köln.Lutz Martin kommt aus dem Erzgebirge. Nach der Schule hat er Geologiefacharbeiter gelernt, anschließend an der Humboldt-Universität Asienwissenschaften studiert, ist dann aber zu den Altertumswissenschaften gewechselt, in das Fach, das ihn seit seiner Kindheit interessierte. 1987 fährt er mit zwei Kollegen nach Syrien, wo er auch die Stadt Aleppo und dort das von Oppenheim gegründete Museum besucht. In diesem Museum, in dem Raum mit den in Syrien gebliebenen Tell Halaf-Funden, sagt Lutz Martin, habe er eine Vorstellung von der Dimension des Verlustes bekommen, den die Menschheit in jener Bombennacht 1943 erlitten hat.Einige Jahre später, die Mauer ist inzwischen gefallen und Lutz Martin als Mitarbeiter im Vorderasiatischen Museum tätig, bekommt er es erneut mit der zerstörten Tell Halaf-Sammlung zu tun. Die Leitung des Vorderasiatischen Museums will die Depots besser nutzen. Der Schutt soll in ein Lager nach Hohenschönhausen gebracht werden. Mit dem Transport wird der Restaurator Stefan Geismeier beauftragt. Er bemerkt, dass die Steine in den Boxen so aneinander reiben, dass sie allmählich zerbröseln. Sollen die Teile aufbewahrt werden und nicht zu Staub zerfallen, muss man sie sichern. Der Restaurator sucht einen Ansprechpartner beim Museum - und trifft dort Lutz Martin und damit genau den Richtigen.Ein-, bis zweimal im Monat fahren die beiden fortan von der Berliner Museumsinsel ins Lager nach Hohenschönhausen. Sie beginnen, einige Gitterboxen auszuräumen, die Fragmente zu sortieren und zu nummerieren. Zwei Jahre machen sie das ohne Auftrag, ohne Dienstanweisung. In dieser Zeit reift bei ihnen die Überzeugung, dass man zwei oder drei Statuen restaurieren könnte. Aber sie erkennen auch, dass sie das auf diese Weise und allein nicht schaffen.Die beiden ergänzen sich gut. Lutz Martin weiß, wie die Figuren aussehen müssen, welchen wissenschaftlichen und kulturhistorischen Wert sie haben. Ihn reizt, dass zwei oder drei zusammengesetzte Statuen wenigstens eine Ahnung davon vermitteln könnten, wie großartig und wertvoll die gesamte Sammlung war. Geismeier ist Praktiker; er weiß, wie man tonnenschwere Brocken bewegen und drehen kann. Und er sieht die Chance seines Lebens. Auch er kam auf Umwegen zu seinem Beruf. Er lernte in der DDR Stuckateur, fing 1987 als Haushandwerker im Museum an und begann erst nach der Wende zu studieren: Restaurierung von Kulturgut aus Stein. Genau das könnte er bei diesem Projekt tun.Bis jetzt ist es nur eine Idee. Sie lässt ihnen keine Ruhe mehr. Sie brauchen Geld und mehr Leute. Man muss Anträge schreiben, das Vorhaben schildern, Kosten kalkulieren und den Aufwand rechtfertigen. Lutz Martin formuliert vorsichtig, dass man die beiden Löwen vom Tor des Westpalastes rekonstruieren könne. Einen dieser Anträge schickt er an die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Projekte aus Mitteln des Bundes, der Länder und privater Förderer unterstützt. Die DFG erkennt den Nutzen des Projekts und bewilligt Geld für die Stelle einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin. So stößt Nadja Cholidis zum Team. Die Archäologin hat in Münster studiert und sich nach einem Volontariat im Museum mit einem Terrakotten-Projekt beschäftigt. Sie hat Tonfiguren, die ein deutsches Archäologenteam in Babylon fand, katalogisiert - und dabei 7 000 Objekte begutachtet, ihr Aussehen beschrieben, ihre Größe, Bedeutung und Funktion bestimmt. "Ich wusste einfach,", sagt Lutz Martin, "dass sie die Richtige für uns ist." Nadja Cholidis wird die Leiterin des Tell Halaf-Projekts.Jetzt fehlt noch das Geld. Im Sommer 2001 beschließen Lutz Martin und Nadja Cholidis, zur Sal. Oppenheim-Bank nach Köln zu fahren. Das private Geldinstitut wird von den Nachfahren des Tell Halaf-Entdeckers geleitet. Mitte der neunziger Jahre hatte die Bank begonnen, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen und dabei auch voller Stolz den Archäologen Max von Oppenheim wieder entdeckt.Max wird 1860 als zweitältester Sohn von Paula und Alfred von Oppenheim in Köln geboren. Die Mutter stammt aus einem katholischen Patriziergeschlecht, der Vater aus der jüdischen Bankiersfamilie von Oppenheim. Max soll, so will es der Vater, Teilhaber des Bankhauses werden. Aber dessen Interesse und Liebe gilt von früher Jugend an dem Orient.So studiert Max von Oppenheim zwar zunächst Jura, lernt aber bald Arabisch und unternimmt erste Reisen in die arabische Region.Eine Karriere als Diplomat schwebt ihm vor, doch ein ordentlich angestellter Beamter im Dienste des Kaisers wird er nie. Im kaiserlichen Auswärtigen Amt paart sich Judenhass mit Missgunst und Neid: Oppenheim pflegt einen exzentrischen Lebensstil, besitzt in Alt-Kairo ein Haus im arabischen Stil und pflegt intensive Kontakte zur arabischen Elite des Landes. Der Frauenschwarm unterhält zahlreiche Beziehungen, bleibt aber Zeit seines Lebens Junggeselle. Oppenheim dient dem Kaiserreich als Orientkenner, unterstützt dessen koloniale Ambitionen. Gerüchte umgeben ihn: er sei, so heißt es in britisch-französischen Kreisen jener Zeit, ein Spion Wilhelm II. Auch während seiner Kairoer Zeit unternimmt er ausgedehnte Expeditionen, nach Marokko, an den Persischen Golf, nach Syrien. Dort erzählen ihm Beduinen vom Tell Halaf und großen Figuren, die dort im Sande verborgen sind. Er erwirbt für das Gebiet eine Grabungslizenz. Doch die unsichere Stellung als freiberuflicher Diplomat frustriert ihn, die zeitlich begrenzte Grabungslizenz läuft aus und in Deutschland wächst das Interesse an Ausgrabungen in der Region. So beschließt Oppenheim, die Diplomatie aufzugeben und sich der Erforschungen und Ausgrabung des Tell Halafs zu widmen. 1911 reist er mit 21 Tonnen Expeditionsgepäck auf 1000 Kamelen dort an. Am 5. August 1911 beginnt er mit den Grabungen - die sein eigenes Vermögen verschlingen, und die er ohne die Unterstützung des Bankhauses auch nicht zu Ende bringen kann. Allein die Kosten der ersten Grabungskampagne von 1911 bis 1913 belaufen sich auf 750 00 Reichsmark. Ein Industriearbeiter verdient zu jener Zeit durchschnittlich 1 000 Reichsmark im Jahr. Es sind Max von Oppenheims Eltern, die einen großen Teil der benötigten Mittel zur Verfügung stellen.Als Nadja Cholidis und Lutz Martin im Sommer 2001 zum Stammsitz der Bank fahren, werden sie dort vom damaligen Junior-Chef empfangen. Christopher von Oppenheim zeigt sich sehr informiert, stellt konkrete Fragen zu Ablauf und Organisation des Vorhabens. Zum Schluss sagt der Bankier: "Wir werden das Projekt fördern." Wie viel das Vorhaben letztlich kostet, wird als Geheimnis behandelt.Mittlerweile glauben Lutz Martin und Nadja Cholidis, dass sie nicht nur die Löwen, sondern auch die Götterstauen restaurieren und damit den Palasteingang wieder aufbauen können. Das Projekt hat sich inzwischen herumgesprochen und auch der Architekt O. M. Ungers, der an der Neugestaltung der Museumsinsel arbeitet, erfährt davon. Er bezieht das Vorhaben in seine Pläne ein: Die Götterstatuen und ihre Sockel in Tiergestalt sollen den neuen Eingang des Vorderasiatischen Museums schmücken. "Als das feststand, brauchten wir schnellstens einen geeigneten Ort, schließlich wollten und mussten wir nun endlich anfangen," erzählt Lutz Martin.Zu dieser Zeit werden den Staatlichen Museen die ehemaligen Versuchshallen in Berlin-Friedrichshagen angeboten, doch die wollen sie nicht. Es sind keine schönen Räume. Gelbe Kacheln kleben an der Wand, an einigen Stellen fehlt der Putz, durch die Fenster pfeift der Wind. Für das Tell Halaf-Team aber sind die Hallen ideal: Sie liegen ebenerdig, bieten ausreichend Platz, die Räume sind hoch und es gibt Laufkräne für die großen, tonnenschweren Brocken.Ab Januar 2002 gehört auch die Archäologin Ulrike Dubiel zum Team, schließlich kommt noch Hans-Joachim Nohka dazu, der Depotleiter des Vorderasiatischen Museums war und eigentlich Anfang 2002 in Pension gehen sollte. Es ist eine unglaubliche Arbeit, die die fünf anpacken. Sie nehmen tausende Steine in die Hand und reinigen sie von altem Zementkleber und Staub. Sie unterscheiden zwischen Teilen eines Tieres, einer Götterstatue oder eines Frieses, sie erkennen Fragmente eines Gesichtes, einer Tatze. Sie können Brocken schon einzelnen Bildwerken zuordnen: Das Fell der Löwin zum Beispiel ist gröber gearbeitet und lässt sich so vom Fell des männlichen Tiers unterscheiden. Die ersten größeren Stücke werden zusammengesetzt. Die rauen Basaltbruchflächen halten wie Klettverschlüsse aneinander. Mit Heißkleber werden die Teile dann provisorisch verbunden, das Ganze wie ein Päckchen mit Gurten verschnürt. Wenn wirklich alles passt, wenn sie sich sicher sind, dass es auch wirklich so und nicht anders zusammengehört - dann nehmen sie alles wieder auseinander. Jetzt fängt die Arbeit des Restaurators an: Assistiert von den Archäologen fügt er die Teile endgültig zusammen.Wie aber lässt sich verhindern, dass jede, auch noch so hauchdünne Klebestelle in der Summe das Objekt wachsen lässt? Dass zum Schluss das Ganze nicht aufgeht, weil ein Fragment aus vielen geklebten Teilen den entscheidenden Millimeter größer ist als das Gegenstück? Das funktioniert nur, sagt Geismeier, "wenn man alle Teile im Blick hat und von oben und unten, von rechts und links gleichzeitig anfängt." Er nennt das: "Auf Null kleben."Sie beginnen mit dem Löwen, der als Podest für eine Götterfigur zum Eingang des Palastes gehört. Er soll binnen eines Jahres wieder auferstehen und als erstes Bildwerk präsentiert werden. Sie schaffen es. Doch dann wird das Tier zum Problem. Die Augenstellung muss korrigiert werden, weshalb der Unterkiefer nicht mehr passt. Plötzlich finden sie noch ein Brustteil, das eindeutig zum Löwen gehört. Das Tier wird damit höher. Sie stellen fest, dass in seiner Rückenpartie und im Hinterteil Teile verklebt sind, die zur Löwin gehören. Mehrmals muss Geismeier daher den "endgültig geklebten" Löwen - zumindest Teile davon - auseinander nehmen und neu zusammensetzen.Stefan Geismeier hat bei dieser Arbeit eine Erkenntnis gewonnen: "Archäologen fotografieren ihre Fundstücke nur von vorn. Natürlich sind eine Statue, ein Fabeltier und ein Löwe von vorn imposanter," sagt er. Sie hätten Fotos von der Rückseite zur Orientierung aber gut brauchen können. Der Löwe habe jetzt einen Alt-Männer-Hintern, sagt Geismeier. Aber den richtigen. Auch die Löwin habe von den Korrekturen profitiert, weil sie ihre Teile zurückbekam - und ganz wunderbar geworden sei.Warum haben sie nicht mit Computern gearbeitet? Allein das Scannen von 27 000 Einzelteilen hätte mehrere Jahre gedauert, hätte mehr Zeit und Geld verschlungen, als für das gesamte Projekt zur Verfügung stand," sagt Nadja Cholidis. "Computer mit einer enormen Rechnerleistung wären nötig gewesen." Jedes erfasste Teil hätte nummeriert und so gelagert werden müssen, dass man es wieder findet. Und letztlich würde der Computer formlose Elemente aus den Figuren-Kernen kaum zuordnen können. "Das menschliche Augen und Gedächtnis ist bei bei einer solchen Arbeit der Technik haushoch überlegen, " meint Nadja Cholidis.2003 glauben Lutz Martin, Nadja Cholidis und die anderen, dass sie alle Bildwerke zusammensetzen können. Doch mit der Zeit wird die Arbeit schwieriger. Die Teile mit Reliefs und Mustern, Kanten und Ecken sind ihren Bildwerken zugeordnet, die verbliebenen Steine sind schwerer zu identifizieren. Mittlerweile arbeiten sie zudem gleichzeitig an 30 Objekten und müssen alle im Blick haben. Manchmal fehlt beim Kleben ein entscheidendes Stück und die Arbeit stockt. Dann gehen die Archäologen noch einmal Palette für Palette durch, Haufen für Haufen. Im Kopf, mit den Händen, mit den Augen. "Plötzlich erinnerte man sich an einen Stein und wusste, dass er genau an eine Stelle passt, an der gerade gearbeitet wird, " sagt Nadja Cholidis. "Manchmal waren wir im Identifizierungsrausch und sind nicht vor Mitternacht nach Hause gegangen. Wir rochen nach den Brandresten auf dem Basalt, wir sahen grau aus wie der Basalt", ergänzt Lutz Martin. "Und ich glaube, wir sehen und tasten inzwischen anders. Wir nehmen einen Brocken in die Hand und wissen ziemlich genau, wo er hin muss."Ende dieses Jahres werden die Arbeiten wie geplant abgeschlossen. Das Tell Halaf-Team konnte über 30 Bildwerke rekonstruieren. Das Team hat die rund 1 200 Einzelteile des schreitenden Löwen zusammengefügt. Die sogenannte Sitzende Göttin, die Lieblingsfigur Max von Oppenheims, ruht wieder gelassen auf ihrem Thron. Auf den Steinreliefs erheben Krieger ihre Waffen gegen einen unsichtbaren Feind. Die Fehlstellen ergänzt eine Zementmischung.Noch stehen einige Paletten mit großen und kleinen Teilen in der Halle. Aber es ist nur ein winziger Bruchteil des Riesen-Puzzles. Die restlichen Fragmente stammen aus dem Inneren von Figuren und konnten nicht zugeordnet werden. Oder sie gehören zu Bildwerken, die Max von Oppenheim nicht fand, die vielleicht noch im Sand des Tell Halaf verborgen sind.Was sich trotz Begutachtung, Grübeln und Probieren nicht einpassen ließ, kommt wieder ins Depot - oder wird mit den Exponaten der Tell Halaf-Sammlung ab Juli 2010 in einer Ausstellung auf der Museumsinsel stehen. Dort sollen nicht nur die Bildwerke gezeigt und die große Leistung Max von Oppenheims gewürdigt werden, der 1946 im bayerischen Landshut starb. Die Paletten mit den Bruchstücken sollen eine Ahnung vermitteln von der Dimension der Zerstörung und auch der Wiederauferstehung dieser einzigartigen Bildwerke. Außer Hans-Joachim Nohka, der nun wirklich in Rente geht, werden alle Team-Mitglieder bei der Vorbereitung der Ausstellung mitarbeiten. Wenn die Umgestaltung der Museumsinsel abgeschlossen sein wird und die Sammlung dort ihren endgültigen Platz findet - dann wird der größte Wunsch Max von Oppenheims in Erfüllung gehen.------------------------------Foto: Doppelsitzbild auf Holzpalette: Wo es hier wohl gelandet ist, scheint sich das steinerne Paar zu fragen. In Berlin-Friedrichshagen, ist die Antwort, in den ehemaligen Versuchshallen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt. Dort wurden die Figuren der Tell-Halaf-Sammlung rekonstruiert.Foto: Max von Oppenheim vor zwei Löwen-Statuen in seinem Tell Halaf-Museum, das er 1930 in Berlin-Charlottenburg eröffnete. Dreizehn Jahre später fielen Bomben auf das Gebäude.Foto: Letzte Teile eines Riesen-Puzzles: Nicht alle Fragmente konnten einer Figur zugeordnet werden. Die übrig gebliebenen Steine stammen wahrscheinlich aus dem Inneren von Bildwerken.Foto: Stefan Geismeier hatte ursprünglich nur den Auftrag, den Schutt, der einmal die Tell Halaf-Sammlung war, in ein neues Lager zu bringen. Dabei lernt der Restaurator den Archäologen Lutz Martin kennen - und beide haben bald einen Plan.Foto: Archäologe Lutz Martin sah die Reste der Sammlung erstmals Ende der siebziger Jahre, als Student. Er sagt, er habe damals für unmöglich gehalten, dass diese Schuttberge wieder zu Figuren werden könnten.Foto: Nadja Cholidis reiste mit Lutz Martin zur Sal. Oppenheim-Bank nach Köln, um bei den Nachfahren Max von Oppenheims die Finanzierung des Restaurierungs-Projekts zu erbitten. Mit Erfolg.Foto: Die drei Götterstatuen und ihre Sockel in Tiergestalt sollen in Zukunft den Eingang zum Vorderasiatischen Museum bilden. Diese Aufnahme stammt aus Max von Oppenheims Privat-Museum in Berlin-Charlottenburg. In Tel Hallaf trugen die drei Götter den Türsturz zum Eingang des Westpalastes.