Berlin - Wenn man gar nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, dann hilft vielleicht vorerst ein Ausweichgefühl weiter. Wir schlagen vor: Dankbarkeit. Denn man kann und sollte auch durchaus dankbar sein, dass dem Haus des Herrn Justiz- und Verbraucherschutzsenators Thomas Heilmann (CDU) jenes raffinierte Verwirrspiel, das er jetzt in Sachen Hygienekontrollen von Restaurants anzetteln ließ, nicht etwa beim ungleich heikleren Sujet Beschneidung unterlaufen ist. Bis jetzt.

In letzterer Angelegenheit kündigte der Senator, der seinen Politikstil besonders gern mit den Worten „Transparenz und Bürgernähe“ umschrieben sieht, nämlich jüngst an, eine lokale Vorab-Regelung zu finden, solange es zur Frage religiös begründeter Zirkumzision kein Bundesgesetz gibt.

Derlei Ankündigungen können von jetzt an eigentlich nur noch als Drohung verstanden werden. Fassen wir die Gründe kurz zusammen. Es wird ab September ein neues bundesweites Verbraucherinformationsgesetz geben, das – überraschend! – den Verbraucherschutz stärken soll. Nun war die Hauptstadt mit ihrer „Sicher-essen-in-Berlin“-Seite schon recht weit fortgeschritten, was transparente und bürgernahe Auskünfte über Ekelküchen aller Art angeht.

Was also unternimmt die zuständige Senatsverwaltung? Nein, man ruft nicht einfach mal an bei den Kollegen im Bund, um die eigene Landesregelung heldenhaft zu verteidigen. Sondern man verbietet einfach mal die eigene Landesregelung, weil „nach hiesiger Auffassung“ die Rechtsgrundlage fehlt.

Zwei Tage und eine kräftige Ansage vom Bund später wird das Verbot zurückkommandiert – und die Verantwortung dafür flott den Bezirken zugeschoben, die doch erst auf den Schlamassel aufmerksam machten. Wie gesagt, wir wollen vorerst dankbar sein, gibt es doch wichtigere Themen als Ekelküchenkontrollen. Aber sie sind ja nicht immer zu vermeiden.