"Buhfrau der Feministinnen" - das war die 1935 geborene Autorin Esther Vilar in den 70ern. Damals machte sie mit ihrem Buch "Der dressierte Mann" Furore. Grundthese des Pamphlets: Es seien nicht die Männer, die die Frauen ausbeuteten, sondern genau andersherum.In nachfolgenden Werken arbeitete die Autorin detailliert aus, wie Mann und Frau gleichermaßen am Erwerbsleben beteiligt sein könnten. Das Mittel dazu: Jeder von beiden arbeitet fünf Stunden am Tag. Mit Alice Schwarzer, Chefredakteurin der feministischen Zeitschrift "Emma", lieferte sie sich 1975 im Fernsehen ein wildes Streitgespräch.Als sie dann aber vor der Münchner Staatsbibliothek von drei Frauen blutig geschlagen wurde und Morddrohungen erhielt, floh sie ins Ausland. "Wir vertragen schon etwas Kritik", erklärte Esther Vilar auf die Frage, warum sie denn so auf die Frauen einschlage. Außerdem besteht sie darauf, daß ihre Ansichten und die von Alice Schwarzer sich gar nicht so konträr zueinander verhielten.Das Leben der Esther Vilar lief zunächst in eine ganz andere Richtung. Aufgewachsen in Buenos Aires bestand sie schon im Alter von 16 Jahren das Abitur und war mit 21 die jüngste Ärztin Südamerikas. 1960 kam sie mit einem Stipendium nach Deutschland, studierte Psychologie und Soziologie und begann zu schreiben.Der Autorin gefielen schon immer provozierende Themen. 1987 verfaßte sie den "betörenden Glanz der Dummheit", der sich ihrer Ansicht nach in Phantasie und Kreativität zeigt. 1994 veröffentlichte sie "Heiraten ist unmoralisch" und berichtete damit aus eigener Erfahrung: Sie selber war zweimal verheiratet, mit einem argentinischen Chirurgen und mit einem deutschen Philosophen.In ihrem neuesten Buch "Katholikinnen aller Länder vereinigt euch" widmet sie sich noch einmal einem Thema von 1982, der "amerikanischen Päpstin". Zur Neuinszenierung des Stückes, das bereits über sechzigmal in aller Welt aufgeführt wurde, kommt sie ab heute für drei Tage aus Barcelona in den Berliner Dom. +++