Manchmal staunt man, welche Filme die Selbstzensur Hollywoods in den 40er- und 50er-Jahren passierten. Vehement kämpfte man damals gegen jede Andeutung von als schwul oder lesbisch angesehenem Verhalten; angewinkelte Finger bei Männern oder zu kurze Frisuren bei Frauen konnten zu Schneidebefehlen führen. Nicht so bei dem 1949 gedrehten "Spiel zu dritt" mit Frank Sinatra und Gene Kelly, einer blödsinnigen Komödie um zwei Baseballer, die zwischen diversen Frauen, Showtheater, Sport und viel Geld hin- und hergerissen werden. Da wird gejuchzt und gewedelt, dass es eine Lust ist.Möglich war dies Vexierspiel sexueller Identitäten, weil die Dritte im Bunde, Esther Williams, so untadelig heterosexuell, so eisigkühl bürgerlich und selbst in der kurzen, Sinatra bis zum erotischen Kollaps treibenden Schwimmszene so weit entfernt von jedem brustfreien "Nipplegate" war, wie es nur denkbar ist. Sie war die Königin, um die sich die Kerle zu balgen hatten - und dafür waren sogar tuntige Hüftschwünge Sinatras oder schmachtend an die Stirn gelegte Handoberflächen Kellys gestattet.Esther Williams feiert heute ihren 85. Geburtstag. Oder 87.? Oder 86.? Wie viele Hollywood-Stars ließ sie ihr Alter im Unklaren. Geboren wurde sie an einem 8. August, am wahrscheinlichsten dem des Jahres 1923, in Ingewood bei Los Angeles. Sportbegeistert schon als Kind, wurde sie in den 30er-Jahren dreimal US-Meisterin im Brust- und Freistilschwimmen. Ein erster Hinweis auf Show-Leidenschaften war ihr Engagement in Billy Roses "Aquacade" während der Golden-Gate-Ausstellung in San Fransisco 1939. Dort schwamm und tanzte sie neben dem als Tarzan weltberühmten vielfachen Weltrekordschwimmer Johnny Weismüller.Noch aber war sie vor allem Sportlerin, wurde für die US-amerikanische Mannschaft für die Olympischen Spiele 1940 in Tokio nominiert, die dann allerdings wegen des Kriegs in Europa und Asien ausfielen. Für Esther Williams war das der Auslöser einer großen Karriere. Denn Hollywood setzte nun auf inhaltlich oft flache, aber grandios ausgestattete Unterhaltungsfilme. Ihr Engagement in der Aquacade-Show hatte die Studiochefs von MGM auf Williams aufmerksam gemacht. Sie war ganz wie das amerikanische Traum-Girl sein sollte, sportlich-traniert, offenkundig selbstbewusst, zudem strahlend blond und so groß, dass ihr auch prachtvolle Roben standen.Vor allem aber konnte sie schwimmen, tauchen, springen, tanzen. Für zwanzig Jahre wurde Esther Williams zum Star der eigens für sie geschaffenen Gattung Wasser-Musical, beginnend mit dem 1944 erschienenen Film "Bathing Beauty" über "Million Dollar Mermaid" von 1952 bis zu "Dangerous When Wet" von 1953 und "Magic Fountain" von 1963. Manche Szenen wurden legendär, etwa wenn eine schier endlose Reihe von Chor-Girls über Kopf seitlich ins Wasser springt, wenn Williams gleich einer Blüte aus einem sprudelnden Inferno auftaucht, wenn breite, farbige Fahnen gleich feuchten Rothko-Bildern durch das Becken gezogen werden, Williams unter Wasser durch rotierende Kreise aus Schwimmerinnen wedelt oder elegant die Beine beugt, um olympische Ringe zu durchtauchen.Sie wurde zum Poster-Girl, ohne je erotisierendes Pin-Up zu sein, und ihre mit Busby Berkely entwickelten Choreografien waren derart einprägsam, dass sie die Ehre erhielten, karikiert zu werden: in Mel Brooks "Geschichte der Welt I" mit einem Ballett schwimmender spanischer Nonnen oder im Delphinballett in Uderzos "Obelix auf Kreuzfahrt". Und als die Begeisterung für Wasser-Musical abebbte, begann Williams eine zweite Karriere als Designerin von Schwimmanzügen sowie als Werbeträgerin - natürlich für Swimming-pools.------------------------------Foto: Ohne jede Rutschgefahr sitzt der Badeanzug von Esther Williams.