BERLIN. Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der japanischen Atomkatastrophe berufene Ethikkommission nahm gestern ihre Arbeit auf - und allmählich wird auch klar, wozu sie überhaupt gut sein soll: Eher konservative Atomgegner sollen mit mehr und vor allem weniger geläuterten Atomfans - aus der Wirtschaft, aber auch der SPD - eine Formel finden, mit der die Bundesregierung ihre jüngste Abkehr von der Kernkraft begründen kann. Und das möglichst öffentlichkeitswirksam.Vor der Auftaktsitzung, bei der neben Merkel auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) dabei waren, sprach sich Merkel für öffentliche Beratungen des Gremiums aus. Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und einer der beiden Vorsitzenden der "Ethikkommission für sichere Energieversorgung" hatte das vorab in der Financial Times Deutschland vorgeschlagen. "Wir sollten einen Teil unserer Arbeit öffentlich machen", sagte er. Heiner Geißlers live im Fernsehen übertragene Schlichtung zu Stuttgart 21 habe ihn beeindruckt. "Viele Menschen haben dort viel gelernt und auch das eine oder andere Vorurteil revidiert. Das kann ein Vorbild für uns sein", so Kleiner. "Ich persönlich würde das sehr begrüßen", sagte Merkel gestern. Sie kommentierte dagegen nicht, dass Kleiner im Gegensatz zu seinem Ko-Vorsitzenden, Ex-Umweltminister Klaus Töpfer (CDU), vor einem "übereilten Atomausstieg" warnte.Auch andere der 17 Ethikkommissions-Mitglieder haben sich nach der Katastrophe in Japan zur Atomkraft in Deutschland bekannt. Etwa BASF-Vorstandschef Jürgen Hambrecht, der sagte, Deutschland könne "nicht einfach aussteigen und uns den Strom aus dem Ausland holen, der dort mit Kernkraft erzeugt wird". Oder der frühere Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi, der vor hohen Strompreisen und dem Verlust von Atomexpertise warnte. Dohnanyi soll auf Wunsch der Kanzlerin in der Runde sitzen. Die schärfsten Atomkritiker kommen derweil von der Kirche. Das lässt sich gerade der Unionsbasis besser vermitteln als etwa Grüne oder Umweltschützer, die denn auch nicht in der Kommission vertreten sind. Der Chef der Heinrich-Böll-Stiftung, Ralf Fücks, war zwar eingeladen worden, hatte aber abgelehnt: Man müsse nun handeln und nicht beraten, sagte er.Merkel erklärte gestern, die Kommission werde ab Mitte Mai auf die Prüfergebnisse der Reaktorsicherheitskommission zurückgreifen und solle klären, wie bei möglichst kurzer Laufdauer der AKW "eine Energiewende mit Augenmaß" zu erreichen sei.------------------------------Foto: Matthias Kleiner, Chef der Deutschen Forschungsgemeinschaft, ist gegen einen "übereilten Ausstieg".Foto: Klaus v. Dohnanyi, war SPD-Bürgermeister in Hamburg, ist heute einer der Letzten der Ära "Atompartei SPD".Foto: Weyma Lübbe, Professorin und im Deutschen Ethikrat, ist nun eine von 3 Frauen unter 17 Beratern.Foto: Jürgen Hambrecht, Vorstandschef von BASF, war vor Japan für deutsche Atomkraft - und ist es heute.