Zu Beginn der zweiten Januarwoche verschwand in der Einfamilienhaussiedlung in Grünau die erste Katze. Einige Tage später war die zweite weg, die einer Familie ein paar Häuser weiter gehörte. Dann auch noch Mecki. Am 15. Januar spazierte der rot-weiß-gefleckte Kater aus dem Haus von Gabriele Groh und ist seitdem spurlos verschwunden. "Das alles kann kein Zufall sein", sagt die Frau. Acht Jahre lang lebte das Tier in ihrem Haus. Auf Wanderschaft bei der Suche nach einem Weibchen kann er nicht sein, er ist kastriert. Das waren auch die beiden anderen verschwundenen Tiere.So wie in Grünau verschwinden überall in Berlin Tiere auf mysteriöse Weise. Vergangenes Jahr wurden beim Berliner Tierschutzverein rund 2 500 Katzen als vermisst gemeldet. Nach Schätzungen des Vereins, wurden 500 von ihnen von illegalen Tierfängern gestohlen und weiterverkauft. Besonders viele Vermisstenmeldungen erhält der Berliner Tierschutzverein derzeit unter anderem aus Zehlendorf.Was mit den gestohlenen Katzen geschieht, glaubt der Sprecher des Vereins, Marcel Gäding, zu wissen: "Wir haben Hinweise, dass sie in Asien zu Fellen verarbeitet werden." Die Produkte würden auch nach Deutschland importiert, etwa als Fellapplikationen an Kragen und Jacken. "Viele Leute wissen nicht, dass sie ihre eigene Katze am Mantel tragen könnten."Die Tierschützer vermuten auch, dass Katzen illegal für Tierversuche der Industrie verwendet werden. Dafür würden sie nach Polen geschmuggelt. So stoppte die Polizei im September 2006 bei Hamburg einen geheimen Tiertransport. In dem polnischen Auto waren rund 20 Katzen. Was der Fahrer damit wollte, blieb unklar. Der Deutsche Tierschutzbund in Bonn glaubt, dass die Tiere für Versuche nach Polen geschmuggelt werden sollten und eine organisierte Tierdiebstahlmafia dahinter steckt. "Das Problem ist nur: Wir können nichts beweisen", sagt Sprecher Steffen Seckler.Überhaupt sind die Hinweise auf organisierte Tierfänger nicht sehr konkret. Bei den Tierschutzvereinen melden sich regelmäßig besorgte Leute, die in Siedlungen verdächtige Transporter mit abgedunkelten Fenstern gesehen haben wollen. "Nicht selten sind es ältere Damen, die von ihrer Katze verlassen wurden", sagt Steffen Seckler. Auch das Tasso-Haustierzentralregister in Hattersheim, das bundesweit jährlich 100 000 Tiere als vermisst registriert, kennt solche Geschichten. "Es gibt jene variierenden Erzählungen von Kleidersammlern, die von Haus zu Haus ziehen, um zu erkunden, ob es dort ein Tier gibt", sagt Tasso-Chef Philip McCreight. "Konkret sind die Hinweise aber nie."Natürlich könnten Kater Mecki und seine beiden Artgenossen aus Grünau auch schlicht überfahren worden sein. Allerdings fanden sich trotz aller Suche bisher keine Kadaver. Von Berlins Straßen muss die Polizei überdies nur selten überfahrene Katzen einsammeln und zur Tierverwertung bringen. Laut Jagdrecht dürfen Katzen zwar im Wald erlegt werden. In Nordrhein-Westfalen etwa schießen Jäger jährlich 17 000 wildernde Katzen. "In Berlin ist das aber nicht üblich", sagt Jagdreferent Derk Ehlert von der Senatsumweltverwaltung.Gabriele Groh aus Grünau ist sicher, dass ihre Katze gestohlen wurde: "Ich habe noch eine zweite, auf die passe ich jetzt ganz besonders auf." Bei der Polizei erstattete sie Anzeige. Ein Behördensprecher: "Tierdiebstahl wird nicht gesondert erfasst, er gilt als Diebstahl einer Sache."------------------------------FELLEWeil importierte Felle nicht deklariert werden müssen, ist es oft unklar, ob Kleidung aus Asien mit Kaninchen- oder mit Katzenfell besetzt ist. Kastrierte Katzen leben sicherer, weil sie kaum auf größere Wanderschaft gehen. Beim Tierarzt kann ein Registrier-Chip implantiert werden (kostet 60 bis 80 Euro). Beim Haustierregister kann es kostenlos eingetragen werden (Tel. 030/76 88 81 17).------------------------------"Viele Leute wissen nicht, dass sie ihre eigene Katze am Mantel tragen könnten." Marcel Gäding, Tierschutzverein------------------------------Foto: Schauspielerin Ulrike Folkerts ist gegen Katzenfelle in der Mode.------------------------------