BRÜSSEL. Die EU-Kommission will mit Chlor desinfiziertes Hühner- und Hähnchenfleisch aus den USA in Europa zulassen - wenn auch unter strengen Bedingungen. Der Vorschlag der Brüsseler Behörde, der jetzt im Ausschuss für Lebensmittelsicherheit des EU-Parlaments beraten wird, hat das Ziel, die Hygienevorschriften für Geflügelzüchter diesseits und jenseits des Atlantiks anzugleichen. In den USA werden Schlachthühner in Chlorwasser getaucht, um alle Keime abzutöten. In Europa ist diese Praxis verboten und der Import von gechlortem Geflügel ebenfalls.Dass die EU unter dem Druck Washingtons die Beschränkung nun aufheben will, ist für Greenpeace ein "Buckeln vor den USA". Die Brüsseler Kommission sorge sich "mehr um ihr Verhältnis zu den USA als um ihre Bürger".Tatsächlich haben sich in Brüssel die für Handel und Industrie zuständigen Kommissare, Peter Mandelson und Günter Verheugen, gegen ihre für Gesundheit zuständige Kollegin Androulla Vassiliou durchgesetzt. Das letzte Wort in der Sache ist aber noch nicht gesprochen. Eine Mehrheit der Mitgliedstaaten will das Chlorbad für Geflügel nicht zulassen. Dem deutschen Minister Horst Seehofer zufolge mutet die EU ihren Bauern viel zu, damit sie hochwertiges Geflügelfleisch produzieren. Entsprechende Auflagen hätten US-Farmer nicht - sie tunkten ihr Fleisch am Ende nur in Chlorwasser. Deshalb hält Seehofer eine Zulassung der gechlorten Hähnchen für "ganz falsch".