EU-Ratspräsidentschaft, Uno-Generalsekretär und islamische Staaten fordern Aussetzen der amerikanischen Bombardierung Afghanistans: USA lehnen Feuerpause während des Ramadan ab

ISLAMABAD/GENF, 1. November. Die USA wollen die Zahl ihrer Bodentruppen in Afghanistan vervierfachen. Bereits in den kommenden Tagen würden weitere Elitesoldaten nach Afghanistan geschickt, kündigte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Donnerstag in Washington an. Sie sollen die Truppen der Nordallianz im Kampf gegen die Taliban unterstützen. Die US-Luftwaffe setzte ihre Angriffe auf Kabul fort. Die US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice betonte, die USA könnten sich keine Kampfpause in Afghanistan während des moslemischen Fastenmonats Ramadan erlauben. Sie reagierte damit auch auf immer häufiger erhobene Forderungen, während des Ramadan die Angriffe auf Afghanistan auszusetzen. Der amtierende EU-Ratspräsident, Belgiens Außenminister Louis Michel, erklärte in Turkmenistan, jegliche Aktionen, "die die islamische Welt irritieren könnten", müssten ausgeschlossen werden.UN-Generalsekretär Kofi Annan bekräftigte seine Forderung, dass die Bombardierung Afghanistans so schnell wie möglich gestoppt werden sollte. Zur Vermeidung einer Hungersnot müssten vor Wintereinbruch weit mehr Hilfsgüter in das Land gebracht werden, sagte er in Genf. Die Hilfsoperationen würden einerseits durch plündernde Taliban und andererseits durch die US-Militäraktionen behindert.Als Vertreterin des bevölkerungsreichsten Moslem-Staates der Welt rief auch Indonesiens Präsidentin Megawati Sukarnoputri zur Waffenruhe während des Ramadan auf. Eine langwierige Militäraktion sei nicht nur kontraproduktiv, sondern "kann auch die Anstrengungen der globalen Koalition schwächen, den Terrorismus zu bekämpfen".Erstmals deutete am Donnerstag auch ein Mitglied der Bundesregierung Flexibilität in dieser Frage an. Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) lehnte zwar eine Feuerpause während des gesamten Fastenmonats ab. Dies würde nur dazu führen, dass sich die Taliban neu sammeln. Allerdings könne auf den "einen oder anderen besonders hohen Feiertag Rücksicht" genommen werden. Im Streit zwischen Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und der IG Metall über deren Forderung nach einer Einstellung der Luftangriffe warnte IG-Metall-Vize Jürgen Peters vor einem "blinden Kadavergehorsam gegenüber Amerika".In Nordafghanistan haben Taliban-Truppen eigenen Angaben zufolge die erste von den USA und der Nordallianz gemeinsam vorgetragene Großoffensive zurückgeschlagen. Ein Taliban-Sprecher erklärte in Kabul, man habe die Stellungen gehalten. Die Türkei und Tschechien kündigten an, den USA auf deren Ersuchen hin Spezialeinheiten zur Verfügung zu stellen. Die türkische Truppe von etwa 90 Mann soll Kämpfer der Nordallianz ausbilden. Tschechien wird 300 Soldaten für die C-Waffen-Bekämpfung entsenden.Der Terroristenanführer Osama Bin Laden hat die Moslems in Pakistan aufgefordert, sich ihm anzuschließen. Das geht aus einem handschriftlichen Aufruf Bin Ladens hervor, der vom arabischen TV-Sender El Dschasira veröffentlicht wurde. Etwa tausend bewaffnete Pakistaner sind am Donnerstag nach Afghanistan eingedrungen, um auf Seiten der Taliban zu kämpfen. Augenzeugen berichteten, sie hätten mit etwa 50 Fahrzeugen die Grenze überquert. (po. )Politik Seite 8"Vielleicht kann man auf den einen oder anderen besonders hohen Feiertag Rücksicht nehmen. " Verteidigungsminister Scharping.EARNIE GRAFTON/THE SAN DIEGO UNION-TRIBUNE Amerikanische Marines auf dem Kriegsschiff USS Peleliu besteigen einen Hubschrauber: Das Kriegsschiff kreuzt in der Arabischen See vor Pakistan, Angaben über das Einsatzziel der Soldaten machten die US-Militärs nicht.