Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sei Dank für so viel Offenheit und Selbstkritik. Schonungslos blättert er in einer Studie auf, was alles bei der Griechenland-Rettung schiefgelaufen ist. Das fängt bei den viel zu optimistischen Wachstumserwartungen für das Krisenland an, weil die Experten jedes Mal die Auswirkungen der Sparorgien auf die Konjunktur unterschätzt haben. Das geht weiter mit der Einsicht, das Land zu spät durch den Schuldenschnitt entlastet zu haben und endet noch nicht bei der Kritik, dass viele Reformen zu langsam umgesetzt worden sind. Es endet mit dem Hinweis, dass Griechenland einen neuen Schuldenschnitt braucht, ein erneutes Entgegenkommen der Retter.

Es passiert selten, dass der IWF bekennt, nicht unfehlbar zu sein. Immerhin sind alle Vorgaben an Griechenland auch vom IWF vertreten worden, der eine Partei der Troika ist. Die beiden anderen sind die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Kommission. Und auf wessen Interessen nehmen EU und EZB am stärksten Rücksicht? Auf die deutschen natürlich, weil das Land der größte Gläubiger ist. Ohne Kanzlerin Merkel läuft in Europa nichts. Deshalb hätten es EU und EZB nie gewagt, vor der Bundestagswahl das gepflegte Image der Euro-Retterin durch die Wahrheit zu zerstören.

Nun muss Frau Merkel erklären, warum auch zu viel sparen schädlich sein kann. Vor allem aber, dass Griechenland noch mal Geld der deutschen Steuerzahler braucht.