MADRID. Die Frage der Wada-Präsidentschaft spitzt sich weiter zu. Meldeschluss für Kandidaten auf die Nachfolge des Kanadiers Richard Pound an der Spitze der Weltantidopingagentur (Wada) war der 20. September. Im Oktober 2006 hatten sich die europäischen Sportminister, die fünf von achtzehn Sitzen der Politik im Wada-Stiftungsrat stellen, auf den Franzosen Jean-Francois Lamour als Kandidaten geeinigt. Kurz vor Meldeschluss erhielt Lamour überraschend Konkurrenz vom Australier John Fahey, der auch von den USA unterstützt wird. Lamour zog am 16. Oktober plötzlich seine Kandidatur zurück, was in Sportorganisationen (die wie die Politik ebenfalls 18 Sitze im Wada-Rat haben) und in der Politik Verwirrung auslöste.Das Präsidentenamt in der Wada ist eine der wichtigsten Funktionen im Weltsport. Richard Pound hat einen brillanten Job gemacht. Er versicherte am Donnerstag bei der Antidoping-Weltkonferenz in Madrid erneut, dass er den Wünschen der Europäer, seine Amtszeit ein Jahr zu verlängern, nicht nachkommen werde. In der Debatte auf der Konferenz wurde die präsidiale Personalie zwar nicht angesprochen, auf den Fluren des Palacio Municipal de Congresos dominierte das Thema jedoch die Diskussion.Einfache Mehrheit genügtChristoph Bergner, der deutsche Vertreter im Wada-Stiftungsrat, kommt erst am Freitag nach Madrid. Er zählt zu den Gegnern Faheys, obwohl er keinesfalls viel mehr Erfahrung im Sport als Fahey hat. Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, hat sich öffentlich gegen Fahey ausgesprochen und schmiedet seine Allianzen. Die deutsche Argumentation ist jedoch fragwürdig und nicht durch Wada-Statuten gedeckt: Denn Bergner & Co. gehen davon aus, dass es in der Wada ungeschriebenes Gesetz sei, wichtige Entscheidungen einstimmig zu fällen. So gesehen, wäre es unmöglich, Fahey auf der Sitzung des Stiftungsrats am Sonnabend zum Präsidenten zu küren. Das Wada-Regelwerk sagt indes, dass bei der Abstimmung einfache Mehrheit genügt.Unklar ist auch, wie sich die Sportvertreter im Wada-Rat verhalten. Im Interesse des IOC, das mit dem Schweden Arne Ljungqvist einen weltweit respektierten Fachmann als neuen Wada-Vizepräsidenten stellt, kann ein ahnungsloser Präsident wie Fahey nicht sein. Fahey, der in Madrid Interviews verweigert, gibt in kleinen Zirkeln sogar zu, mit dem Thema Doping bisher nicht befasst gewesen zu sein.Die Europäer wollen Fahey zum Rücktritt bewegen und die Präsidentenfrage vertagen, um 2008 einen neuen Kandidaten zu präsentieren. Je mehr sie den Druck auf den früheren australischen Finanzminister erhöhen, desto mehr erhöht sich aber auch der Widerstand bei anderen Kontinentalvertretern. Sie schütteln den Kopf über Europa, das es nicht schafft, am Wahltag einen Kandidaten zu präsentieren.Der scheidende Wada-Präsident Pound erklärt ständig, dass die Wada das Wort "Welt" im Namen führt - nicht "Europa". Wada-Generaldirektor David Howman sagt, er könne nicht vorhersagen, was am Sonnabend passiert. "Aber ich denke, die Politiker sollten sensibel genug sein, das Problem zu lösen."------------------------------Foto: Mahnende Worte: Richard Pound.