BRÜSSEL. In der Debatte um die Euro-Krise werden verschiedene Auswege diskutiert. Ein Blick auf die wichtigsten Varianten.Muss Deutschland eigentlich an der gemeinsamen Währung festhalten?Ein klares Ja. Denn die deutsche Wirtschaft profitiert wie keine andere von der Einheitswährung. Fast die Hälfte ihrer Exporte kaufen die übrigen Eurostaaten. Bräche die Eurozone auseinander, würden die anderen ihre Währungen gegenüber der deutschen abwerten. Das heißt: Deutsche Unternehmer müssten ihre Ausfuhren verteuern, ihre Exporte würden zurückgehen. Ein Schlag für die deutsche Ausfuhr, die die hiesige Konjunktur immer wieder in Schwung gebracht hat.Kann Deutschland aus der Eurozone austreten?In der EU sind bis auf Dänemark, Schweden und Großbritannien alle Staaten vertraglich verpflichtet, die gemeinsame Währung einzuführen, sobald sie die ökonomischen Voraussetzungen erfüllen. Das heißt: Kein EU-Mitglied kann die Währungsunion verlassen. Dazu müsste es aus der EU austreten. Die Möglichkeit besteht, seit der Lissabon-Vertrag in Kraft ist. Neben den ökonomischen hätte ein EU-Austritt immense politischen Folgen: Der fast 60-jährige europäische Integrationsprozess wäre am Ende - mit allen Konsequenzen für die politische Stabilität, die den meisten Staaten auf dem Kontinent eine lange Friedensphase beschert hat.Politiker und Ökonomen schlagen eine europäische Anleihe vor. Kann das funktionieren?Die Euro-Anleihe, deren Zins für alle gelten würde, spaltet die Union. Rund die Hälfte der Staaten ist dafür, die andere - also nicht nur die Bundesregierung - ist dagegen. Aus Sicht der Gegner ist entscheidend: Eine Euro-Anleihe würde für sie teurer, weil der Gemeinschaftszins über dem liegt, den sie derzeit zahlen. Mit ihrem erhöhten Zinsbeitrag sorgten sie für eine Art europäischen Finanzausgleich. Das lehnt die Bundesregierung strikt ab. Mit der Euro-Anleihe entfiele ein Disziplinierungsinstrument, weil Staaten nicht mehr für Etat-Schlendrian bestraft werden könnten.Und wie argumentieren die Befürworter?Sie argumentieren mit der Größe des Anleihemarktes, der für Anleger äußerst attraktiv wäre. Investoren könnten nicht mehr gegen einzelne Staaten spekulieren. Auch sie führen den Finanzausgleich an. Sie halten ihn in einer Währungsunion mit starken und schwächeren Volkswirtschaften für ein Gebot der Solidarität.Was ist von einer Aufstockung des derzeitigen Rettungsschirms zu halten?Befürworter der Idee setzen darauf, dass erst ein Notfallfonds, der quasi über unbegrenzte Mittel verfügt, für Ruhe an den Märkten sorgt. Mit seinem Limit von nominal 750 Milliarden Euro, reizt der aktuelle Schirm die Spekulation eher an - nach dem Motto: Lohnt es sich, darauf zu wetten, dass er zu klein ist? Die Befürworter verweisen darauf, dass der Schirm real nur etwa 500 Milliarden Euro mobilisieren kann.Und was spricht dagegen?Drei Gründe: Das Mandat des Rettungsfonds müsste geändert werden. Es besteht keine Notwendigkeit, ihn üppiger auszustatten, denn durch die Irlandhilfen sind nicht einmal zehn Prozent seiner Möglichkeiten gebunden. Das Spekulationsargument lässt sich auch gegen die Befürworter einer Aufstockung wenden: Wer aufstockt, gibt zu erkennen, dass er die aktuellen Mittel für nicht ausreichend hält.------------------------------BIG SIP - die KrisenstaatenBIG SIP - großer Schluck - werden die kriselnden Euro-Staaten abgekürzt. Sie umfassen Belgien, Irland, Griechenland, Spanien, Italien und Portugal.Griechenland nimmt im Mai als Erster EU-Hilfen in Anspruch. Vor allem wegen der Staatsverschuldung von 322 Milliarden Euro, das sind 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.Irland ist durch seine Privatbanken in Schieflage geraten. Die Schuldenlast von 150 Milliarden Euro scheint aber beherrschbar.Spanien hat zwar eine geringe Staatsverschuldung, auch die großen Privatbanken stehen gut. Zum Problem werden lokale Sparkassen, die im Bauboom arglos Kredite vergaben. Sie treiben Spaniens Schuldenlast auf 677 Milliarden Euro. Ratingagenturen prüfen die Bonität.Belgien ist seit Monaten ohne Regierung, jetzt wollen Ratingagenturen die Bonität zurückstufen.Italiens Polit-Krise lockt Spekulanten. Die Schulden betragen 1 800 Milliarden Euro, mehr als alle anderen BIG SIPs zusammen.