Brüssel - Vor den Europawahlen im Mai werden die Grünen von einem Führungsstreit erschüttert. Vor dem Nominierungsparteitag kommende Woche in Dresden hat die Europaabgeordnete Ska Keller eine Kampfkandidatur gegen die Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, um Listenplatz 1 angekündigt. „Ich habe beim Vorwahlkampf für die europäische Spitzenkandidatur gezeigt, dass ich Menschen für grüne Ideen begeistern kann. Das möchte ich auch in Deutschland einbringen“, sagte Keller der Berliner Zeitung. Die 32-jährige hatte sich zuvor bei den Urwahlen für die Spitzenkandidatur der Europäischen Grünen gegen Harms durchgesetzt. Doch hatten bei dem EU-weiten Online-Voting nur 22.000 von 380 Millionen Wahlberechtigten abgestimmt.

Das Urwahl-Debakel wird vor allem Reinhard Bütikofer angelastet, dem Chef der Europäischen Grünen. Er hatte das Verfahren forciert, muss nun aber Konsequenzen fürchten. Beim Parteitag will der Grünen-Finanzexperte Sven Giegold, 44, auf Listenplatz 2 gegen Bütikofer antreten – aber nur falls Keller gegen Harms scheitert. „Wir brauchen eine Verjüngung und personelle Alternativen“, sagte Giegold dieser Zeitung. Auch auf dem nächsten Listenplatz droht Bütikofer ein Gegenkandidat.

Keller stellte auch Bedingungen für eine Unterstützung des SPD-Poltikers Martin Schulz bei der Kür zum Kommissionschef. Schulz „steht für die klassische alte Kohle-und-Industrie SPD. Er muss erstmal ein paar Angebote machen“, so Keller.