Eurozone: Lettland, neues Euro-Land

Brüssel - Der Mann reiht Superlativ an Superlativ: niedrigste Inflationsrate in der EU, stärkstes Wirtschaftswachstum, stärkster Zuwachs der Exportrate. Eine ganze Weile spricht der lettische Finanzminister Andris Vilks jetzt schon über die wirtschaftliche Gesundung seines Landes, aber die Reihe der Bestleistungen reißen nicht ab. Zum 1. Januar 2014 wird das Land für seine Reformen belohnt. Lettland tritt als 18. Staat der Eurozone bei. „Der Euro ist ein strategisches Ziel“, sagt Vilks.

Diese Ziel lag im Jahr 2008 in weiter Ferne. Lettland wurde heftig von der Banken-Krise getroffen. Als erster EU-Staat musste das Land um internationale Finanzhilfen ersuchen. „Wir haben zu viel auf Pump gelebt“, sagt Vilks im Rückblick selbstkritisch. In der Krise zogen die ausländischen Banken ihr Geld ab, der Internationale Währungsfonds (IWF) sprang mit 7,5 Milliarden Euro ein. Und er beharrte auf strikten Reformen. Die Löhne im öffentlichen Dienst fielen um 20 Prozent, die Renten um 10 Prozent, Parex, die größte Bank des Landes, musste der Staat retten. Doch nun präsentiert Vilks Bestleistungen, nur 1,6 Prozent beträgt das Etatdefizit. Die Arbeitslosenquote fiel von 17,3 Prozent im Jahr 2010 auf 9,1 Prozent. Das ist immer noch viel. Aber dennoch beachtlich. „In gewisser Weise waren wir eine Rollenmodell für alle weiteren Krisenländer“, sagt Finanzminister Vilks heute.

Geldtransfers von Zypern

Lettland wird deshalb von vielen als Vorbild für die Krisenländer im Süden gepriesen. „Das Land zeigt, dass sich Strukturreformen auszahlen“, sagt der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber und erklärt: „Lettland ist ein Signal: Der Sparkurs zahlt sich aus.“ Vilks ist stolz auf die Reformen. „Wir haben mehr getan, als wir mussten. Und wir haben das schneller erledigt.“ Er verweist aber auch auf einen entscheidenden Unterschied zu den südlichen Krisenländern: „Wir hatten eine klares Ziel für unsere Reformen: Wir wollten in den Euro.“ Im Süden war die Stimmung eher umgekehrt. Ganz ohne Tadel kommt aber selbst der Musterschüler nicht aus. Die EU-Kommission hat im zuletzt mit Sorge beobachtet, dass viele russische Anleger ihr Geld von Zypern nach Lettland transferierten.

Milda heißt die lettische Euromünze in Anlehnung an den Kosenamen der Figur, die auch das lettische Freiheitsdenkmal im Zentrum von Riga schmückt. Sie zierte schon in der kurzen Zeit der lettischen Unabhängigkeit nach 1929 die 5-Lats-Münze und ist bis heute auf dem 500-Lats-Geldschein abgebildet. Milda und die Landeswährung Lats sind deshalb längst ein Symbol für die nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion wiedererlangte Souveränität. Die Freude auf die neue Währung ist deshalb verhalten, auch wenn Milda künftig ebenfalls die lettischen Ein- und Zwei-Euro-Münzen schmücken wird. Die Starterkits für den Euro – seit Dezember im Umlauf – finden nur geringen Zuspruch.

Der baltische Nachbar Estland ist bereits im Euro. Und Litauens Finanzminister Rimantas Sadzius hat bereits angekündigt, dass sein Land auch im Jahr 2015 in den Euro strebt. In Lettlands Euro-Beitritt steckt deshalb auch das Signal: Der Euro geht nach Osten. Deshalb fordert Hannes Swoboda, Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europaparlament: „Auch Polen muss rasch dem Euro beitreten.“ Die Eurozone sei der Kern einer starken wirtschaftlichen EU. „Und da gehört Polen dazu“, sagt Swoboda.

Der CSU-Abgeordnete Markus Ferber ist zurückhaltender. Er setzt weniger auf politische Hoffnungen, als auf wirtschaftliche Fakten. „Zunächst einmal müssen die Kriterien erfüllt werden“, sagt Ferber. Auch Polens Regierungschef Donald Tusk hatte den ursprünglich für 2016 geplanten Euro-Beitritt seines Landes zuletzt nach hinten verschoben. In der Krise verliert der Euro an Ansehen und Attraktivität.

Für den lettischen Finanzminister Andris Vilks freilich ist der Euro, nach Nato- und EU-Beitritt der nächste Schritt der Westintegration. Und der wirtschaftliche Erfolg macht selbstbewusst. „Wir sind ein kleines Land, aber wir wollen in der EU ein Partner sein, auf dessen Rat man hört“, sagt Vilks.

Das wird spätestens im kommenden Jahr der Fall sein, wenn Lettland die Ratspräsidentschaft der EU übernimmt. Vilks Botschaft ist deshalb klar. „Der Euro ist keine merkwürdige Sache. Er ist das Symbol für die europäische Einigung.“