Wie berichtet, hatten der Bund und das Land Berlin am Vortag überraschend erklärt, nach zehnjähriger Planung den Zumthor-Entwurf für das NS-Dokumentationszentrum nicht zu verwirklichen, sondern bis 2008 ein anderes Gebäude zu errichten. Inklusive Abriss der drei schon errichteten Türme auf dem Gelände, Honorare und der bereits entstandenen Baukosten hat der Bund damit bereits etwa 15 Millionen Euro vor einer neuen Planung ausgegeben. Diese müssen von der festgelegten Summe von 38,5 Millionen Euro abgezogen werden. In der nächsten Woche beginnen erste Gespräche zur neuen Bauausschreibung. Zur Verfügung steht nun noch die Restsumme von 23,5 Millionen Euro.Seine Forderungen begründete Zumthor mit ausstehenden Zahlungen: "Es fehlen mir schon aus den letzten drei bis vier Jahren 200 000 Euro." Außerdem stehe sein Mitarbeiterteam ohne Arbeit da. Bei Schadenersatzklagen wäre man dann schnell in der Nähe von einer Million Euro. Der Architekt schließt auch nicht aus, gegen Berlin und den Bund wegen Rufschädigung vorzugehen. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hofft wiederum, ohne Prozesse auszukommen: "Wir prüfen Zumthors Ansprüche." Grund für den Ärger des 60-jährigen Architekten sind die aus seiner Sicht undurchsichtigen Vorgänge der letzten Tage. Noch am Morgen der Entscheidung sollen seine Mitarbeiter Verträge für weitere Bauarbeiten mit Experten der Baubehörde unterschriftsreif gemacht haben. Zwei Stunden später sei das Aus verkündet worden. Außerdem habe ihm Kulturstaatsministerin Christina Weiss erst vor drei Wochen schriftlich versichert, ihn in alle Fragen einzubeziehen. Vorwürfe von ständig weiter steigenden Kosten wies Zumthor zurück. Und die Kritik, dass in der geplanten Ausstellungshalle nur 14 Grad Innentemperatur erreichen werden könnten, konterte Zumthor damit, dass so für den Besucher "das Gefühl des Draußenseins" vermittelt werde. Auch angesichts dieser Äußerungen zeigte sich Andreas Nachama, geschäftsführender Direktor der Topographie, über den Neuanfang erleichtert. "Zumthor verdient auch noch an seiner Unfähigkeit", sagte Nachama. Für eine im April vorgelegte Analyse mit unsinnigen Vorschlägen werde eine sechsstellige Summe verlangt. Reinhard Rürup, der wegen des Baustopps vom Amt als wissenschaftlicher Direktor der Stiftung zurückgetreten war, sagte: "Es war meine Absicht, mit dem Rücktritt Bewegung in die Sache zu bringen." Trotz des Neuanfangs bleibt für das Projekt eine große Summe übrig: Pro Quadratmeter könnten, laut Nachama, für die Bauarbeiten auf dem 3 100 Quadratmeter großen Gelände etwa 7 400 Euro ausgegeben werden. Beim Jüdischen Museum waren es nur 5 000 Euro. "Mit den 23,5 Millionen Euro können wir wirklich gut auskommen", sagte Nachama.------------------------------Gestapo-Zentrale // Die Topographie des Terrors entsteht auf dem Gelände, wo einst SS und Gestapo ihren Sitz hatten. Dort wurde der Völkermord an Millionen Juden geplant und organisiert.Nach 1945 wurden die NS-Gebäude gesprengt. Auf der Brache war später ein Autodrom. Es gab Pläne für eine Autobahn über das Gelände. 1980 setzte sich die Initiative Aktives Museum für eine Ausstellung ein. Erst 1990 wurde der Aufbau der Dokumentation beschlossen.------------------------------Foto: Ein Bild aus dem Jahr 1945: der Eingang der Gestapo-Zentrale an der Prinz-Albrecht-Straße 8 (heute Niederkirchnerstraße).