Seit Mai dieses Jahres saß der ehemalige CDU-Politiker und Berliner Schuh-Händler Rolf Wiedenhaupt in Untersuchungshaft. Doch er konnte dem Gericht schon einen neuen Job vorweisen. Für den Fall, daß er aus dem Gefängnis kommt. Eine Bau- und Grundstücksgesellschaft in Charlottenburg würde den 40jährigen Juristen sofort als kaufmännischen Angestellten einstellen.Wiedenhaupt kam am Montag aus dem Knast. Doch nur bis zum Strafantritt. Eine Wirtschaftsstrafkammer des Berliner Landgerichts verurteilte ihn wegen Konkursdelikten, Steuerhinterziehung und Untreue zu vier Jahren und drei Monaten Haft. Rolf Wiedenhaupt war von 1985 bis 1995 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und auch wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Seit 1987 betrieb der Sproß des bekannten Berliner Familienunternehmens selbst einen Schuh-und Lederwarenhandel. Das Geschäft lief und wurde nach der Wende auf den schuhbedürftigen Osten ausgedehnt. Wiedenhaupt gründete die Brandenburgische Schuhmarkt GmbH mit Sitz in Lehnitz. "Westlichen Lieferanten fehlte das Know-how für die neuen Länder." Nach Erkenntnissen der Ermittler hat sich bei Wiedenhaupts Schuhfirmen ein Schuldenberg von mindestens 1,8 Millionen Mark angehäuft. Spätestens im März 1994 hätte er Konkurs anmelden müssen, so die Anklägerin in ihrem Plädoyer. Wiedenhaupt hatte Steuern und Sozialabgaben nicht gezahlt, keine Bücher geführt und Bilanzen nicht erstellt. Er soll zudem den Konkurs seiner Firma hinausgezögert haben, um die Zwangsversteigerung seiner Eigentumswohnung abzuwenden. "Sie haben die GmbH bis zuletzt ausgeplündert, so daß nichts mehr da war", hielt ihm die Staatsanwältin vor. Kein Kaufmann könne sich schlimmer verhalten.Wiedenhaupt war geständig und räumte Fehler bei der Geschäftsführung ein. Vor allem klagte er über die "chaotischen Umstände" nach der Wende; über fehlende Telefone, desolate Stromleitungen, über Wände, die keine Schuhregale aushielten und mangelndes Fachpersonal. "Um das Chaos in Griff zu kriegen, mußte ich mich als Geschäftsführer 16 Stunden am Tag mit anderweitigen Tätigkeiten verzetteln." Am Ende brach er gar in Tränen aus. "Geben Sie mir die Chance, mein Leben wieder in den Griff zu kriegen."Die Richterin sah durchaus die Schwierigkeiten, die nach ihren Erfahrungen jeder habe, der sich in den Osten aufmachte. "Aber Sie müssen auch den Überblick behalten", sagte sie in der Urteilsbegründung. "Gerade als Volljurist sollten Sie das wissen."