Das Firmenimperium des ehemaligen stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden im Berliner Abgeordnetenhaus, Manfred Preuss (44), bricht auseinander. Wegen aufgelaufener Mietschulden in Höhe von rund 1,2 Millionen Mark stellte die Bassmann Bau AG am Freitag Konkursantrag gegen die von Preuss gehaltene "Kleeblatt Finanz- und Beteiligungs-Holding GmbH".Nach Auskunft der Bassmann-Anwälte verliefen mehrere Versuche, die aufgelaufenen Schulden zu vollstrecken, ergebnislos. Preuss sei weder unter seiner Berliner Adresse noch an seinem Zweitwohnsitz auf Sylt auffindbar gewesen. Laut einer eidesstattlichen Erklärung Peter Bassmanns hatte Preuss bereits am 15. August eingeräumt, daß die "Kleeblatt"-Holding nicht in der Lage sei, die bestehenden Verbindlichkeiten zu begleichen. Eine Rückführung der Schulden sei allenfalls durch einen an der Übernahme der "Kleeblatt"-Gruppe interessierten Investor möglich.Preuss hatte sich mit seinem Firmen-Imperium auf Errichtung, Ausstattung und den Betrieb von sogenannten Sozialbauten - in erster Linie Altenwohn- und Pflegeheime, aber auch Kliniken - sowie auf den Handel mit Baustoffen spezialisiert. Bundesweit zeichnet er für den Betrieb von mindestens 23 Altenheimen verantwortlich, diverse Objekte befinden sich noch in Planung. Ins Gerede kam Preuss erst kürzlich in Cottbus: Dort wollte er mit zwei eigens dafür gegründeten Firmen das neue Herzzentrum bauen und betreiben. Doch damit hatte er sich offenkundig übernommen. Obwohl er das Grundstück mit millionenschweren Hypotheken belastete, rührte sich auf der Baustelle nichts, so daß die Stadt den Bauvertrag aufkündigte. Preuss hatte mit der Hamburger Marseille-Kliniken AG prompt einen Ersatz-Investor parat. Anschließend zog sich der Berliner aber auch aus der ihm übertragenen Betreiber-Funktion zurück. Die Art und Weise jedoch, wie er das tat, ist nicht unproblematisch: Statt die von ihm gehaltenen Firmen-Anteile direkt an die Marseille-Kliniken AG zu veräußern, übertrug er sie für wenige Tage an seine Pressesprecherin Kornelia Diesel, auf deren Namen dann der eigentliche Verkauf lief.Diverse Gläubiger vermuten, daß Preuss so versucht hat, ihnen den Veräußerungsgewinn vorzuenthalten. Mittlerweile ermittelt die Cottbusser Staatsanwaltschaft. Auch Gläubiger Bassmann behält es sich ausdrücklich vor, gegen den ehemaligen CDU-Abgeordneten Strafanzeige wegen des Verdachts der Gläubiger-Benachteiligung zu erstatten. Zudem ist die Bassmann AG im Besitz einer persönlichen Schuld-Anerkenntnis-Erklärung von Preuss, so daß sie notfalls auch auf das Privatvermögen des Kaufmanns Zugriff hat.Durch die "Kleeblatt"-Pleite sind neben dem Bau einer weiteren Herzklinik in Offenburg Altenheim- und Seniorenwohnprojekte u.a. in Nettetal, Hannoversch-Münden, Halle und Würselen gefährdet. In Frage gestellt ist auch die Zukunft des geriatrischen Zentrums in Berlin-Buch, dessen Bewirtschaftung von der Sozialverwaltung an die Preuss-Gruppe vergeben wurde. Sozialsenatorin Hübner (CDU) läßt derzeit die Gesellschafterverträge daraufhin überprüfen, ob eine Rücknahme des Zentrums in städtische Verantwortung möglich ist. +++

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