BERLIN, 10. April. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich nach dem schnellen Erfolg der US-Streitkräfte im Irak besorgt über mögliche weitere Militärschläge gegen Staaten im Nahen Osten geäußert. "Ich warne vor Wiederholungen", sagte Schröder am Donnerstag in einem RTL-Interview. Der Kanzler betonte, dass es zwar wünschenswert wäre, wenn es nicht nur im Irak, sondern auch in anderen Staaten der Region zu Demokratisierungsprozessen käme. Es gebe aber keinen Anlass, über einen neuen Kriegsgrund zu spekulieren. Prominente US-Politiker hatten wiederholt Syrien und Iran als mögliche nächste Ziele von Angriffen der Vereinigten Staaten genannt. Der frühere Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark rechnet damit, dass vor allem Syrien unter Druck geraten wird. "Ich würde derzeit kein Geld in Damaskus anlegen", sagte der frühere US-General der Berliner Zeitung. Noch gehe es um Diplomatie, sagte Clark. "Aber Syrien muss mit einem Angriff rechnen, wenn es seiner Regierung nicht gelingt, die amerikanischen Bedenken auszuräumen." Dabei gehe es um die Unterstützung Saddam-treuer Iraker, Kontakte zu Terrorgruppen sowie den Besitz von Massenvernichtungswaffen. Auf die Frage, ob die US-Regierung mit einem weiteren Krieg drohe, erklärte Clark: "Die Präsenz der amerikanischen Streitkräfte in der Region ist jetzt zu einer geostrategischen Realität geworden. Das wird natürlich nicht ohne Auswirkungen bleiben."Streit um Wiederaufbau-HilfeDie Bundesregierung steht einer finanziellen Hilfe Deutschlands für den Wiederaufbau im Irak nach Informationen der Berliner Zeitung skeptisch gegenüber. "Wir haben nicht vor, Geld zu überweisen", hieß es in Regierungskreisen. Dagegen könne sicherlich schnell technische Hilfe zum Wiederaufbau geleistet werden. Die Weltbank will nach eigenen Angaben erst tätig werden, wenn in Bagdad eine international anerkannte Regierung im Amt ist.Kanzler Schröder machte eine Beteiligung Deutschlands am Wiederaufbau ausdrücklich von der Rolle der Vereinten Nationen abhängig. "Deutschland kann und wird sich am Wiederaufbau beteiligen, wenn es ein Dach der Vereinten Nationen gibt", sagte Schröder. Der Kanzler schloss auch eine Beteiligung deutscher Soldaten an einer Uno-Friedenstruppe nicht aus. Er wies allerdings Forderungen des Unions-Vizefraktionschefs Friedrich Merz zurück, einen deutschen Beitrag für den Wiederaufbau von entsprechenden Aufträgen für deutsche Unternehmen abhängig zu machen. Er halte diese Debatte für makaber, sagte Schröder. Die Parteichefs von CDU und CSU, Angela Merkel und Edmund Stoiber, plädierten im Gegensatz zu Schröder dafür, dass Deutschland sich unabhängig von der Uno am Wiederaufbau beteiligen sollte. Beide forderten Schröder auf, sich politisch wieder auf die USA zuzubewegen. Stoiber kritisierte in diesem Zusammenhang das geplante Treffen von Schröder, Frankreichs Staatschef Jacques Chirac und Russlands Präsidenten Wladimir Putin am Freitag in St. Petersburg. Das Treffen der Achse Berlin-Paris-Moskau könne zu einer weiteren "Spaltung in Europa und im transatlantischen Verhältnis führen", warnte Stoiber. Europa müsse seine Positionen selbst finden, "und zwar ohne Russland".