POTSDAM. Eine "militärpolitische Denkfabrik" sollte in Potsdam entstehen, das versprachen die Initiatoren Margarita Mathiopoulos und der Historiker Manfred Görtemaker vor einem halben Jahr. Sie sahen bereits allerlei Verteidigungsminister, Wissenschaftler, Militärstrategen und Rüstungslobbyisten am Werke, die sich in der alten Potsdamer Villa über die weltweite Sicherheits- und Militärpolitik Gedanken machten. Der ehemalige US-Verteidigungsminister Henry Kissinger war auserkoren worden, die strategischen Debatten als Schirmherr zu beflügeln - und natürlich sollte das Projekt ein Hort der deutsch-amerikanischen Freundschaft werden.Doch nun steht das geplante "Potsdam Center für Transatlantic Security and Military Affairs" endgültig vor dem Aus. Denn keiner will dafür bezahlen. Margarita Mathiopoulos gibt sich als Gründungsdirektorin "noch zwei Wochen". Sie hatte zwar stets behauptet, dass das Bundesverteidigungsministerium mindestens 250 000 Euro zur Einrichtung des "Potsdam Center for Transatlantic Security and Military Affairs" bereitstellen wird. Doch davon will der neue Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) nichts mehr wissen. "Es hat nie eine schriftliche Zusage des Verteidigungsministers gegeben", sagte ein Ministeriumssprecher. Mathiopoulos hingegen verweist auf ihren Brief an Strucks Amtsvorgänger Rudolf Scharping (SPD) vom 27. Dezember 2001. Dort habe sie sich schriftlich für die in Aussicht gestellten 250 000 Euro bedankt. Da dies von Scharping nie infrage gestellt worden sei, sehe sie das Verteidigungsministerium in der Pflicht. Scharping selbst will sich zu dem Projekt nicht mehr äußern. Am Donnerstagmittag kam im Bundestag nun eine Gruppe um den FDP-Außenpolitiker Werner Hoyer zusammen. Die Parlamentarier wollen die Bundesregierung noch einmal auffordern, Bundesmittel für das Institut locker zu machen. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) unterstützt dies. Er denkt gar über eine Bundesratsinitiative seines Landes nach.Probleme allerdings hat es auch innerhalb der Institutsleitung gegeben: Der zweite Gründungsdirektor des Institutes, der Potsdamer Zeithistoriker Görtemaker, hat sich offenbar nicht zuletzt aus Verärgerung über Margarita Mathiopoulos zurückgezogen. Dem Vernehmen nach soll der Wissenschaftler sowohl über Mathiopoulos Nähe zu Rüstungskonzernen als auch über ihren Eintritt in die FDP im Juli auf dem ersten Höhepunkt des Antisemitismus-Streits um Jürgen Möllemann nicht gerade glücklich gewesen sein. "Manche haben mir meine Nähe zur FDP vorgeworfen", sagt selbst Mathiopoulos. Einzig das Land Brandenburg habe das Projekt "voll unterstützt".Doch vorerst will Brandenburg die spätklassizistische Villa in der noblen Puschkinallee, die als Sitz des Institutes vorgesehen war, nicht mehr hergeben. Noch im September hatte das Potsdamer Finanzministerium einen äußerst günstigen Besitzüberlassungsvertrag für die Immobilie entworfen. Doch "angesichts der aktuellen Entwicklung" werde die Überlassung "zurückgestellt", teilte Finanzministerin Dagmar Ziegler (SPD) nun mit.Nah am Militär // Geschäftsführerin: Politikwissenschaftlerin Mathiopoulos arbeitet derzeit für die European Advisory Group als Rüstungslobbyistin. 1987 wollte Willy Brandt sie zur SPD-Parteisprecherin machen und scheiterte.Militärstadt Potsdam: Dort sitzt das zentrale Einsatzkommando für Auslandseinsätze der Bundeswehr. Das Verteidigungsministerium bezahlt den Lehrstuhl für Militärgeschichte an der Uni Potsdam sowie das Militärgeschichtliche Forschungsamt.

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