Manchmal wollte sie einfach mehr, sogar mehr als ihre eigenen Mitstreiter. Das war zum Beispiel vor zwei Jahren so, als Barbara Oesterheld sich für ein Grundeinkommen für alle Bürger ohne Pflichten und Forderungen stark machte. Damals stand sie der Linkspartei näher als den Grünen, deren Landesvorsitzende sie doch war. "Die Berliner Grünen verlieren mit ihr viel zu früh eine äußerst engagierte und leidenschaftliche Politikerin, die sich immer für die einkommensarmen Menschen der Stadt eingesetzt hat", sagt Boris Jarosch. Barbara Oesterheld ist am Mittwoch gestorben. Sie hatte Krebs und wurde nur 57 Jahre alt.Boris Jarosch ist Parteivorstand in Friedrichshain-Kreuzberg, jenem Stadtteil, mit dem Barbara Oesterheld eng verbunden war. Sie ist in Kreuzberg geboren. Und hier hat sie gewirkt. Zum Beispiel 1995, als sie bundesweit als erste Landtagsabgeordnete ein grünes Direktmandat über die Erststimme holte. Boris Jarosch hat lange überlegt. Alle Geschichten, die ihm über Barbara Oesterheld einfallen, zeigen sie ernsthaft, geradlinig und aufrichtig. Jemand, der immer politisch dachte, nie privat. Die Grünen-Fraktion nennt sie eine beherzte Kämpferin aus Kreuzberg.Barbara Oesterheld galt als linke Grüne. Sie war ein Fundi, wenn man die alten Begriffe bemüht, nach denen die beiden Flügel der Grünen viele Jahre lang unterschieden wurden. Die 1951 Geborene machte Abitur, studierte an der Freien Universität, wurde Diplom-Soziologin. Danach ging sie nach Afrika und engagierte sich im Kinder- und Jugendbereich. 1975 bis 1985 war sie Mitglied bei der SPD. Dann trat sie der Alternativen Liste bei. Wenn man die Stationen ihres Lebens betrachtet, verliert man schnell den Überblick: Sie arbeitete als Erzieherin im Kinderladen und in der Jugendarbeit, als Sozialarbeiterin mit Behinderten, als Taxifahrerin, Programmiererin, als Mieterberaterin und Sozialplanerin.Politisch wird man sie in Erinnerung behalten, weil sie sich ab 2001 im Untersuchungsausschuss Bankengesellschaft engagierte. Unnachgiebig und unermüdlich. "Sie hatte einen großen Anteil an der Aufklärung des Berliner Bankenskandals", sagt Katrin Schmidberger ebenfalls vom Grünen-Vorstand Friedrichshain-Kreuzberg. Am Ende war Barbara Oesterheld der Bericht des Ausschusses nicht kritisch genug, er beschönige, befand sie und vermisste Schuldbewusstsein der Verantwortlichen. Ebenso unnachgiebig gab sie sich gegenüber der eigenen Partei. Als sich die Basis der Grünen 2007 gegen Afghanistan-Einsätze positionierte, drohte sie den eigenen Bundestagsabgeordneten an, sie nicht wieder als Kandidaten aufzustellen, sollten sie den Parteitagsbeschluss ignorieren. Und erntete viel Kritik in der Partei. Damals war sie die linke Hälfte einer Doppelspitze, die sich die Grünen als Landesvorsitzende gewählt hatten. Aus Krankheitsgründen gab sie das Amt voriges Jahr ab. Das Abgeordnetenhaus gedachte der Politikerin gestern mit einer Schweigeminute.------------------------------Foto: Barbara Oesterheld, ehemalige Landesvorsitzende der Grünen, starb am Mittwoch.