Leipzig. Für Udo Reiter (68) bleibt der viel kritisierte und häufig belächelte Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) eine Erfolgsgeschichte. Daran lässt der Gründungs-Intendant, der bis 2011 im Amt war, in seiner Autobiografie keinen Zweifel.

Er stellte das Buch «Gestatten, dass ich sitzen bleibe» (Aufbau Verlag) am Sonntag mit Entertainer Thomas Gottschalk, dessen Karriere unter Reiter einst beim Bayerischen Rundfunk begann, in Leipzig vor.

Reiter widmet dem MDR in seiner Autobiografie weit mehr als ein Drittel der 248 Seiten. Launig erinnert er sich an die Aufbaujahre der Dreiländeranstalt seit 1991. «Es waren extreme Zeiten damals, man kann sie nicht mit normalen Maßstäben messen», schreibt er. Als MDR-Angestellter Nummer 001 habe er sich die Anstellungszettel für die ersten Mitarbeiter beim BR, seinem früheren Arbeitgeber, ausgeliehen. «Mit dem Kugelschreiber habe ich die bayerischen Initialen durchgestrichen und in fester Schrift MDR darübergeschrieben.»

Dass er das MDR-Startkapital in den 1990er Jahren mit Börsenspekulationen aufpeppen ließ, verteidigt Reiter. «Aus der sogenannten Anschubfinanzierung, die durch einen Aufschlag von einer Mark pro Rundfunkteilnehmer in Deutschland zustande gekommen war, standen dem MDR rund 560 Millionen zu. Das war ziemlich genau die Hälfte dessen, was wir brauchten», notiert er und beklagt, dass über Verluste viel mehr berichtet wurde als über die weitaus höheren Gewinne. Zu Unrecht habe das dem MDR den Ruf als «Affärensender» eingebracht.

Auch zu anderen Skandalen äußert sich Reiter - aber milde. Die Affäre um Sportchef Wilfried Mohren, der sich schmieren ließ? Passiert auch anderswo. Die Affäre um Unterhaltungschef Udo Foht, der ein merkwürdiges Zwischenfinanzierungssystem aufzog? Aufgebauscht. Nur der Skandal um den Herstellungsleiter des ARD/ZDF-Kinderkanals (dort hat der MDR die Federführung), der acht Millionen Euro abzweigte, um seine Spielsucht zu finanzieren, scheint Reiter hart getroffen zu haben. Da habe jegliche Kontrolle versagt.

Neben den MDR-Geschichten gibt Reiter auch Persönliches preis: dass er nicht kochen kann und nicht singen, dass er ein schlechter Vater gewesen sei. Außerdem reflektiert er sein Dasein als Rollstuhlfahrer und denkt über ein selbstbestimmtes Leben und Sterben nach - Reiter ist seit 1966 nach einem Autounfall querschnittsgelähmt. En passant erwähnt er außerdem, dass er nach dem Tod seiner ersten Frau wieder geheiratet hat - und zwar die Moderatorin Else Buschheuer. (dpa)