Nichts ist unmöglich - CSU! Auch nicht, daß sich ein ehemaliger Stadtrat der weißblauen Volkspartei, nachdem er ein schönes Millionen-Sümmchen Spendengelder in die eigene Tasche abzwackte, so sehr schämt und grämt, daß er abtritt, alles hinschmeißt und Taxikutscher wird. So geschehen jüngst in München. Sein Name: Gerhard Bletschacher, genannt "Bletschi", 64 Jahre alt.Was war passiert? Bletschacher, ein herzlicher, runder Mann mit verschmitzten Augen, saß seit 1984 als Stadtrat im Münchener Rathaus. Er war Pressesprecher ("Ich habe nie angelogen") und schließlich über Jahre hinweg verdienter Fraktionschef der Rathaus-CSU. Überall gern gesehen und eingeladen. War dies nur Fassade?Mitten in den Frühlingsbeginn platzte die Bombe: Sage und schreibe 4,8 Millionen Mark Spendengelder für einen Verein, dessen Vorsitzender er war, hatte der gute Bletschi über Jahre hinweg umgeleitet. Damit wollte er seine eigene, ziemlich heruntergekommene Kartonage-Firma in München retten. Doch die "Käseschachtelaffäre" flog auf, von wem auch immer verraten. Öffentlichkeit und Medien hatten einen neuen saftigen Amigo-Skandal in der CSU. Das war vergangenen Mai. Fortan wurde es ganz still um Herrn Bletschacher. Der Spendenjongleur bereute.Nur wenige Freunde wußten, wie tief der Stachel der Scham im Herzen des Gerhard Bletschacher saß. "Ich hatte das Geld wirklich nur ausgeliehen", versicherte der niedergeschlagene Ex-Stadtrat immer wieder.Bletschi verkaufte sein Haus, gab alle Ämter auf und brach völlig mit der Partei. Im Gegensatz zu manch anderen Amigos klebte der in Verruf geratene CSUler nicht an seinem Sessel. "Einer, der so angeschlagen ist wie ich", könne an eine politische Aufgabe nicht mehr denken.Nun kommt ganz München aus dem Staunen nicht mehr heraus: Herr Bletschacher fährt Taxi an der Isar. Zwölf Stunden am Tag für 15 Mark Stundenlohn. Warum gerade Taxler? "Mit bald 65 Jahren schreit keiner ,Hier'." Bletschi will das "ausgeliehene" Geld auf jeden Fall zurückzahlen. Und als ehemaliger Stadtrat kenne er sich außerdem aus, da könne er doch noch was für die Stadt tun.Doch aller guter Wille hilft nichts: Der Millionenprozeß kommt, und Bletschi wird sich demnächst vor Gericht verantworten beziehungsweise dem Richter erklären müssen, wie lange er noch Taxi kutschieren will, bis er die Millionen zusammen hat.Ein Trost bleibt ihm allerdings. Da die Vorfälle aus der Zeit vor 1991 bereits verjährt sind, konnte die Staatsanwaltschaft nur die Veruntreuung von 2,5 Millionen Mark anklagen. +++