Nein, gelangweilt hat sich Matthias Buchholz im vergangenen Jahr nicht. Nachdem er als einer der besten Köche Berlins anderthalb Jahrzehnte auf Sterneniveau gekocht hatte und dreimal Berliner Meisterkoch geworden war, verließ er Ende März 2010 das Gourmetrestaurant First Floor im Hotel Palace. Buchholz wollte mehr Zeit für seine Familie haben, zu der die achtjährige Tochter Magdalena (mit der er nach unserem Gespräch für eine Mathearbeit übte) und seine Frau, die RBB-Moderatorin Britta Elm, gehören. Seinen Wunsch, nach vielen Jahren in der Spitzengastronomie eine Familienpause zu haben, in der es auch Gelegenheit für Überlegungen über die berufliche Zukunft geben würde, verstanden viele nicht. Sofort kamen Jobangebote, die ihn wieder in Hotelküchen gebracht hätten. "Dasselbe in Grün wollte ich aber nicht. Ich werde im Mai 44. Das ist ein gutes Alter, um noch mal was Neues zu beginnen."Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) gelang schließlich, woran zuvor Hoteldirektoren und Gastronomieverpächter reihenweise gescheitert waren: Er konnte Buchholz für ein Objekt begeistern. Am Kulturstall, dem frisch zum Konzertsaal umgebauten Kuhstall auf dem Gelände von Schloss Britz, ist das alte Schweitzer Haus angebaut. In dem wohnten früher die Melker, und vom 1.August an soll Matthias Buchholz dort die Gastronomie betreiben. Im Erdgeschoss des Fachwerkbaus wird es ein Restaurant mit ländlicher Küche und Sommerterrasse geben, das täglich offen sein soll. Im ersten Obergeschoss empfängt dreimal in der Woche - donnerstags, freitags und sonnabends - ein Gourmetrestaurant Gäste. Buchholz betont: "Auf einen Stern legen wir es dort nicht an." Er will künftig deutlich lustbetonter arbeiten, sich keinen falschen Druck mehr machen und machen lassen. Und sich selbst um die Gäste kümmern, weshalb er für die Küche in seinem ersten eigenen Lokal, das Buchholz Gutshof Britz heißen soll, eine Küchenchefin eingestellt hat. Sie heißt Vivien Kruligk und kocht derzeit auf höchstem Niveau im Gourmetrestaurant von Heinz Winkler auf der "MS Europa".Gelegenheit, seine Kochkunst zu verlernen, hatte Buchholz seit seinem Ausstieg aus dem First Floor nicht. So bereitete er als Gastkoch die Speisen bei einem Dinner der Laureus Foundation und einem Essen auf Einladung des Regierenden Bürgermeisters in Grunewald zu. Er bekochte die Gäste einer Nordkap-Tour auf der "Aida". Und stand dann auch bei einer Charity-Gala im Robinsonclub Fleesensee am Herd.Neben seinem eigenen Lokal baut Buchholz gerade noch ein Geschäft auf, zu dem ein Stammgast aus dem First Floor die Idee hatte. Am Theodor-Heuss-Platz hat er ein früheres Reisebüro gemietet und umbauen lassen. Dort produziert der Koch künftig Speiseeis nach eigenen Rezepten. Das soll es ab Mai zunächst im Café neben dem Kabaretttheater Wühlmäuse geben.Künftig will Buchholz aber auch Firmen mit Klassikern wie Vanille-, Erdbeer- und Schokoeis beliefern. Und sein Publikum nach und nach für ungewöhnlichere Geschmacksrichtungen wie Kokosnuss-Zitronengras oder Karotte-Ingwer begeistern. Bei Geschmackstests schreckt Buchholz auch vor den härtesten Kritikern nicht zurück: "Die Kinder in Magdalenas Hortgruppe sagen mir sofort, was ihnen nicht schmeckt." Das Schokoeis war den Nachwuchsvorkostern schon mal nicht braun genug, Vanille kam hingegen richtig gut an.------------------------------Foto: Matthias Buchholz tritt nach einem Sabbatjahr wieder zum Dienst in der Küche an - diesmal aber in seinem ersten eigenen Restaurant.

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