Bei der Privatisierung der ostdeutschen Minol-Tankstellenkette und der Raffineriekapazitäten in Leuna hatte der dafür verantwortliche Treuhand-Manager, Sachsen-Anhalts heutiger Wirtschaftsminister Klaus Schucht (SPD), "die uneingeschränkte Rückendeckung des Kanzlers, des Kanzleramtes und des Bundesfinanzministeriums".Im Gespräch mit der Berliner Zeitung beschrieb Schucht die Ausgangssituation für die Privatisierung als ausgesprochen schwierig. Die großen westdeutschen Chemie-Konzerne hätten seinerzeit kein Interesse daran gehabt, die ostdeutsche Grundstoffchemie durch den Neubau einer Raffinerie in Leuna zu stärken. Die Bestrebungen seien vielmehr dahin gegangen, mit der Lieferung von Fertigprodukten nicht ausgelastete Altanlagen im Westen profitabler zu betreiben. Dies habe er nicht hinnehmen können. Man habe die Wiedervereinigung schließlich "nicht erfunden, um die Kapazitätsprobleme Westdeutschlands zu lösen." Um den Raffinerie-Neubau in Leuna gegen den Widerstand der West-Konzerne zu ermöglichen, habe er dann das Koppel-Geschäft mit den Minol-Tankstellen initiiert: "Wer Minol als Ganzes haben wollte, mußte die Raffinerie bauen." Aus dieser von der Investmentbank Goldmann und Sachs betreuten Ausschreibung sei das Konsortium von Elf Aquitaine und Thyssen als Sieger hervorgegangen. Die Aushandlung des Vertragswerks habe sich dann recht kompliziert gestaltet: "Elf sollte die neue Raffinerie bauen. Die Wirtschaftsförderungsmittel mußten das Land und der Bund zahlen. Das Land mußte auch sicherstellen, daß von den West-Konzernen keine Fertigprodukt-Pipeline gebeut wird. Das war immer noch eine latente Konkurrenz." Die Treuhand habe dann den Leuna-Altbetrieb übereignet und sich bereit erklärt, die Betriebsverluste bis zur Fertigstellung der neuen Anlage zu übernehmen. Im Gegenzug seien die Minol-Tankstellen übereignet worden. Schucht: "Ich habe das im Kontakt mit dem Finanzministerium gemacht, das sehr positiv eingestellt war. Im Wirtschftsministerium habe ich nur das Notwendigste erzählt, weil zu erkennen war, daß hier die Lobby schon einen gewissen Einfluß hatte." Vor allem der Mittelstand Schucht: "Und hier kommt die FDP-Note rein" habe versucht, die Minol-Regelung zu beschädigen. "Ich habe über die ganze Sache Tagebuch geführt. Das liegt aber im Bundesarchiv, denn ich möchte, daß das erst in zwanzig Jahren veröffentlicht wird." Da gebe es Fakten, "die würde jeder abstreiten, da gibt´s auch keine Akten drüber". Anhaltspunkte dafür, daß zu diesem Zeitpunkt die Minol-Leuna-Privatisierung für die Einwerbung von Parteispenden genutzt worden sein könnte, sehe er nicht: "Im Gegenteil: Je länger sich das Geschäft hinzog, um so eher hätte Veranlassung bestanden, daß Mitterand von Kohl einen Scheck verlangt."Extrem schwierig sei es dann nach dem Regierungswechsel in Paris und dem Management-Wechsel bei Elf geworden: "Als der neue Elf-Chef Jaffré den ganzen Deal in Frage stellte, brach das Geschäft ja eigentlich in sich zusammen." In dieser Zeit habe es auch Vermittlungs-Kontakte des Ex-CDU-Schatzmeisters Walther Leisler Kiep gegeben. Er wisse jedoch nicht, auf wessen Initiative Kiep hier tätig geworden sei. Er habe dann mit Elf ein Memorandum ausgehandelt, das eine Rücknahme von 33 Prozent der Leuna-Anteile vorsah. Dies aber nur unter der Bedingung, daß Elf auch einen entsprechenden Teil von Minol zurückgibt. Von der Rückgabe-Option habe Elf bislang keinen Gebrauch gemacht.Den zwischenzeitlich entbrannten Streit zwischen der Treuhandnachfolgerin Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) und Elf über den Wert der Leuna-Investitionen bewertet Schucht als absolut unnötig. Während Elf die Investitionen auf rund fünf Milliarden Mark beziffert, geht die BvS von einem erheblich niedrigeren Wert aus. Er habe der BvS empfohlen, diese Frage erst zu klären, wenn der Bau abgeschlossen sei: "Aber das wollte die BvS nicht."Schucht räumte ein, daß er keinen Einblick in die Konsortialvereinbarungen von Elf und Thyssen genommen habe. Auch hätten ihn in seiner Funktion als Treuhand-Vorstand weder die Kostenkalkulation für den Raffineriebau in Leuna noch die Details der Auftragsvergabe an ein Dreierkonsortium unter Führung der Thyssen-Tochter Rheinstahl-Technik interessiert. Es mußte nur gebaut werden, zu welchem Preis auch immer. Schucht: "Wir haben nur gesagt: Ihr müßt bauen, was Ihr benötigt. Das Geld, das Ihr dafür als Unterstützung braucht, das holt Ihr Euch aus Sachsen-Anhalt." Der Verdacht des Subventionsbetruges sei abwegig: "Elf als Staatskonzern fälscht doch nicht Rechnungen über hunderte von Millionen." Nicht ausschließen wollte Schucht überhöhte Kalkulationen und aufgeblähte Verrechnungspreise. Immerhin war auch Elf über das Unternehmen Technip am Raffineriebau beteiligt. "Da haben die deutschen Steuerbehörden ein Auge drauf", sagte Schucht. Von den Millionen-Überweisungen von Elf und Thyssen auf ein Schweizer Konto im Zusammenhang mit der Minol-Leuna-Privatisierung habe er nie erfahren.