Eine neue Idee des Architekten Peter Eisenman für die Gestaltung des Holocaust-Mahnmals hat am Montag für Aufregung gesorgt. Eisenman lässt derzeit prüfen, ob die von ihm geplanten 2 700 Stelen der Gedenkstätte statt aus Beton auch aus Schiefer errichtet werden können. Das bestätigte die Geschäftsführerin der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Sibylle Quack. Den Schiefer als mögliche Alternative zum Beton habe er bei einer Spanienreise entdeckt, teilte Architekt Eisenman Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) mit. Thierse ist Vorsitzender des Stiftungs-Kuratoriums. Die Stiftung wird sich am 31. Januar auf einer Kuratoriumssitzung mit den Überlegungen befassen. Thierse erklärte am Montag nach Angaben des Bundestagspressezentrums, mit ihm werde es keine Überschreitung der festgelegten Kosten geben. Er werde zudem alles dafür tun, um Verzögerungen beim Bau des Denkmals zu verhindern. Über die künstlerischen Vorstellungen des Architekten könne man aber reden. Sibylle Quack versicherte, Eisenman werde die Überlegungen zum Einsatz von Schiefer nicht weiter verfolgen, wenn der Zeit- und Kostenplan dadurch nicht einzuhalten wäre.Geplant ist, dass der Bau des Holocaust-Mahnmals auf einer rund 19 000 Quadratmeter großen Fläche südlich des Brandenburger Tors im Frühjahr beginnt. Nach dem Entwurf von Peter Eisenman sollen auf dem Areal 2 700 Betonstelen mit einer Höhe zwischen 50 Zentimetern und fünf Metern entstehen. Die Stelen sollen auf den Betrachter wie Wellen im Meer wirken. Unter dem Stelenfeld ist ein Ort der Information geplant, in dem ein Register mit den namentlich bekannten 4,4 Millionen ermordeten Juden entstehen soll. Bis zum Jahr 2004 soll das Mahnmal fertig sein, sagte Frau Quack. Eine Festlegung auf den Termin 27. Januar 2004, den Holocaust-Gedenktag, gebe es nicht. Angepeilt werde, dass das Mahnmal Mitte 2004 fertig sei.Der Marketingleiter der Firma Kapella Baustoffe, Stefan Tessel, sagte der "Berliner Zeitung": "Schiefer ist um ein Vielfaches teurer als Beton." Selbst wenn Schiefer nur eingesetzt werde, um Beton zu verkleiden, sei das Material kostspieliger. Wie viel teurer Schiefer genau sei, hänge davon ab, wo der Schiefer herkomme. Hier spielten die Frachtkosten eine entscheidende Rolle.Der Einsatz von Schiefer würde wahrscheinlich nicht nur teurer, sondern auch zu Bauverzögerungen führen. In Kreisen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hieß es, die gesamte Planung wie die Berechnung der Statik und der Gründung müsste dann für den neuen Baustoff wiederholt werden. Auch die übliche Ankündigung des Projekts bei der Bauwirtschaft müsste wiederholt werden, hieß es. Denn bislang sei nur angekündigt worden, dass das Mahnmal mit 2 700 Betonstelen errichtet werde. Eine Ankündigung geht der Ausschreibung eines größeren Auftrags voran, damit sich die interessierten Firmen in ihrer Planung darauf einstellen können.Lea Rosh plädiert für BetonDie Vorsitzende des Förderkreises für die Errichtung des Mahnmals, Lea Rosh, machte am Montag keinen Hehl daraus, dass sie gegen Schiefer ist. "Beton scheint mir das bessere Material zu sein", sagte sie der "Berliner Zeitung".Wie die Kosten explodieren können, wenn Architekten ungebremst Vorschläge entwickeln, zeigt das Beispiel der geplanten Gedenkstätte Topographie des Terrors in Kreuzberg. Dort soll nach Plänen des Architekten Peter Zumthor ein Dokumentationszentrum errichtet werden, das an die Taten der Gestapo, der SS und des Reichssicherheitshauptamtes erinnert. Sie hatten dort ihre Zentralen. Die Kosten des Dokumentationszentrums, die anfangs auf umgerechnet 22,5 Millionen Euro geschätzt worden waren, sollten sich zwischenzeitlich auf mehr als 45 Millionen Euro verdoppeln. Erst nachdem sich Architekt Zumthor auf Abstriche bei der Bauausführung eingelassen hatte, konnte der Preis auf 38 Millionen Euro begrenzt werden. Die Topographie des Terrors soll wie das Holocaust-Mahnmal im Jahr 2004 fertig werden.BERLINER ZEITUNG/PABLO CASTAGNOLA Kaum ein Unterschied: Sibylle Quack vor einer Schiefer-Stele. Im Hintergrund steht eine Beton-Stele.