Die NATO hat während des "Prager Frühlings" 1968 angeblich eine militärische Intervention der CSSR geplant.Diese Behauptung ist nach Angaben der Zeitung "Mlada fronta dnes" in bislang unveröffentlichten, geheimen Akten des ehemaligen tschechoslowakischen kommunistischen Spionagedienstes (StB) aus dem Jahre 1971 enthalten. Das Blatt beruft sich bei seiner gestrigen Information auf Fachleute aus dem Prager Innen- und dem Verteidigungsministerium, die besagte Akten derzeit studieren.Wie die Zeitung schreibt, würden einige der Experten den Behauptungen über ein vom Westen erwogenes Eingreifen Glauben schenken, während andere davon überzeugt seien, daß sich die kommunistische Spionage die angeblichen NATO-Pläne nur ausgedacht habe. Der Chef des Archivs im Innenministerium, Jan Frolik, meinte, es handle sich bei dem Dokument um eine der seinerzeit nicht ungewöhnlichen Fälschungen, um die Bedeutung des Spionagedienstes zu belegen.Dagegen erklärte ein namentlich nicht genannter hochrangiger Mitarbeiter der früheren Militärspionage-Abteilung Berichte über die Vorbereitung von Hilfsaktionen des Westens für die Reformer des "Prager Frühlings" seien seinerzeit vor allem aus der DDR gekommen.Der vermeintliche Plan der NATO, der in dem StB-Material "Zephir" genannt wird, war in drei Etappen unterteilt. Im Rahmen dieses Planes wurde mit der Steigerung der destruktiven Aktionen "bis zum Einsatz der in der Bundesrepublik Deutschland stationierten Truppen der 7. US-Armee mit der westdeutschen Bundeswehr gerechnet", heißt es laut "Mlada fronta dnes" in dem Dokument.In der ersten Phase sollten demnach die NATO-Geheimdienste versuchen, Einfluß auf die Reformbewegung zu nehmen und eine Beherrschung der Staatsorgane von oben in die Wege zu leiten. In der zweiten Phase des Planes "Zephir" wurde angeblich damit gerechnet, daß der Zusammenstoß von Reformern und Kommunisten in einen Bürgerkrieg münden könnte."Beide Phasen sollten im Bedarfsfall durch einen militärischen Eingriff von außen auf dem Weg einer Intervention verdunkelt und unterstützt werden", zitiert die Zeitung. In der dritten Phase schließlich sollte die CSSR aus dem Warschauer Pakt austreten. Die NATO wies gestern den Bericht zurück. +++