Im Lichtenberger Ortsteil Karlshorst dürfen Radfahrer bald auf den Fußwegen fahren - auch beidseits der stark befahrenen Tres- kowallee. Grundlage dieser Erlaubnis ist die Straßenverkehrsordnung (StVO), die im September geändert wird. Darin heißt es dann: "Ist ein Radfahrstreifen nicht zu verwirklichen, kann auf der Fahrbahn ein Schutzstreifen angelegt werden. Ist das nicht möglich, ist die Freigabe des Weges durch den Radverkehr in Betracht zu ziehen." Und genau das macht Lichtenberg nun in Karlshorst.Ursprünglich sollte zumindest die Treskowallee einen gesonderten Fahrradstreifen auf der Fahrbahn erhalten. Nach Angaben von Baustadtrat Andreas Geisel (SPD) ist die vierspurige Straße, auf deren Mittelstreifen die Straßenbahn fährt, dafür nicht breit genug. "Und auch der Fußweg ist zu schmal, um einen eigenen Radweg anlegen zu können", so Geisel. Alternativ wurde geprüft, ob der Bezirk die Vorgärten der Häuser kaufen kann, um sie in die Radweg-Fußweg-Planung einzubeziehen. "Die Eigentümer wollten aber nicht verkaufen", sagt Geisel.Radfahren wird künftig aber auch in den kopfsteingepflasterten Seitenstraßen westlich der Treskow-allee auf den Bürgersteigen möglich. "Dort sind vor allem ältere Leute mit ihrem Rad unterwegs", so der Stadtrat. Bislang mussten sie Strafe zahlen, wenn sie vom Ordnungsamt beim Radeln auf dem Fußweg erwischt wurden. Es gab sehr viele Beschwerden deshalb.Berlins Fahrradbeauftragter Benno Koch kritisiert die Entscheidung des Bezirks. "Fahrradfahren auf dem Fußweg erhöht die Unfallgefahr", sagt er. 80 Prozent aller Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt sind, würden sich dort ereignen oder auf Radwegen, die auf Fußwegen verlaufen. Der Bezirk hätte andere Alternativen wählen können - "ein Fahrradpiktogramm am Rand der rechten Fahrbahn zum Beispiel", sagt Koch. Damit werde signalisiert "Hier fahren Radler", außerdem seien Autos gehalten, möglichst weit links in ihrer Spur zu fahren und Platz für Radler zu lassen. "Radfahren auf dem Gehweg sollte man nicht unterstützen." Und in Kopfsteinpflasterstraßen könnten für Radler schmale Asphaltstreifen geschaffen werden. Die Berliner Strategie sei eigentlich, Radfahrer stärker ins Blickfeld der Autofahrer zu rücken. "Ich wünsche mir da eine klare Linie in Berlin", sagt der Fahrradbeauftragte.------------------------------Foto