Seit fast vier Jahren steht der Steglitzer Kreisel leer - jetzt wird die Asbestsanierung des Bürohochhauses vorbereitet. In einem ersten Schritt hat die Berliner Immobilienmanagement-Gesellschaft (BIM) nach einer Ausschreibung einen Generalplaner ausgewählt, der die Sanierung managen soll. Das bestätigte gestern BIM-Chef Sven Lemiss. Wie der Kreisel nach der Sanierung genutzt werden soll, ist aber offen.Den Zuschlag als Generalplaner erhielt eine Bietergemeinschaft um die Berliner Firma Convis. Das Unternehmen hat bei Großprojekten einschlägige Erfahrungen gesammelt. Nach der Asbestsanierung des Palastes der Republik war Convis als Projektsteuerer beim Rückbau des Gebäudes tätig. Beim Bau der U-Bahn-Linie 55 zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof kümmerte sich Convis um die Terminsteuerung. Jetzt soll die Firma mit ihren Partnern den Sanierungsplan für den Kreisel erarbeiten.Das 118 Meter hohe Bürohaus, in dem einst das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf untergebracht war, ist seit Ende 2007 wegen Asbests geschlossen. Weiter geöffnet sind nur die Geschäfte und ein Hotel im Sockelbau. Eigentümer des Komplexes sind jeweils zu 50 Prozent das Land Berlin und die Immobilienfirma Becker & Kries. Der Sockelbau gehört Becker & Kries, der Turm dem Land. Laut einem Gutachten belaufen sich die Kosten für die Sanierung des Kreisels auf 31,26 Millionen Euro. "Wir gehen ganz klar davon aus, dass wir innerhalb der Kosten bleiben", sagte BIM-Chef Lemiss gestern. Die eigentlichen Arbeiten sollen im Sommer nächsten Jahres beginnen und im ersten Halbjahr 2015 abgeschlossen sein. Nach der Sanierung wird der Kreisel im Innern weitgehend entkernt sein. Außen werden die mit Schadstoffen belasteten Fassadenplatten entfernt, die Fenster bleiben erhalten. Die entfernten Fassadenplatten werden allerdings nur durch Provisorien ersetzt. Eine dauerhafte Lösung ist laut BIM-Chef Sven Lemiss nicht vorgesehen.Der Bürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU), begrüßt die geplante Asbestsanierung. Es sei besser, das Geld dafür auszugeben statt nichts zu tun und weiter hohe Betriebskosten zu haben, sagte er. Kopp wünscht sich, dass das Gebäude möglichst erhalten bleibt, sei es als Bürohaus oder als Wohngebäude. "Der Steglitzer Kreisel ist eine städtebauliche Dominante", so Kopp. Nach der Sanierung sollte das Gebäude aber eine ansehnlichere Fassade erhalten.Was aus dem Büroturm nach der Sanierung werden soll, ist derzeit noch unklar. Der Liegenschaftsfonds versucht seit mehr als einem Jahr, einen Käufer für die landeseigene Immobilie zu finden. Zuletzt wurde mit zwei Interessenten verhandelt. Einer ist die Meridian-Stiftung. Sie will den Kreisel zu einem Kunst- und Lagerhaus gestalten, mit Galerieflächen im Innern und Photovoltaik-Elementen an der Außenfassade. Mitte dieses Monats wollen Vertreter der Stiftung mit dem Liegenschaftsfonds zu einem Gespräch zusammentreffen. Der zweite Interessent ist offenbar abgesprungen, doch soll es mittlerweile schon einen weiteren Bewerber für das Gebäude geben. Näheres ist nicht bekannt. Sollten die Pläne für einen Verkauf scheitern, droht dem Kreisel das Ende. "Wenn sich kein Käufer findet, ist der Abriss die Option, die übrig bleibt", so BIM-Chef Lemiss. Die Sanierung sei in jedem Fall notwendig. Denn der Asbest müsse entfernt werden.------------------------------Ein teurer Skandalbau1968: Der Bau des Steglitzer Kreisels gegenüber dem Rathaus Steglitz beginnt. Er entsteht nach Plänen der Architektin Sigrid Kressmann-Zschach. Zu dem Komplex gehören das 118 Meter hohe Bürohaus und ein Sockelbau mit einem Hotel und mehreren Geschäften sowie ein Busbahnhof der BVG. Die Kosten von 180 Millionen Mark sollen durch den Senat und die Bauträgergesellschaft Avalon der Architektin getragen werden.1973: Die Kosten steigen von 180 Millionen auf 323 Millionen Mark. Die Bauträgergesellschaft muss 1974 Konkurs anmelden. Die Arbeiten werden daraufhin eingestellt, der Senat verliert eine Bürgschaft in Höhe von 42 Millionen Mark.1975: Die Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen wegen des Verdachts des Betrugs ein. Ebenfalls ergebnislos beendet ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss seine Arbeit.1977: Die Bauruine des Kreisels wird von der Firma Becker & Kries ersteigert. Sie stellt das Gebäude fertig.1979: Weil sich kein Mieter findet, zieht das Bezirksamt Steglitz in den Kreisel. Bis Ende 1988 zahlt das Land Berlin rund 111Millionen Mark. Dann kauft es das Hochhaus für 67 Millionen Mark. Spötter flachsen, der Kreisel sei damit zum zweiten Mal mit Steuergeld bezahlt worden.------------------------------Foto: Eines der höchsten Gebäude Berlins: der Steglitzer Kreisel.Foto: Richtfest 1972: Die Architektin und Bezirksbürgermeister Rothacker.