Angelika Eberhardt schlägt keinen Nagel in die Wand. Wenn sie ein Bild in ihrem Haus in der Nie-möllerstraße 10 aufhängen möchte, dann bohrt sie ein Loch in eine etwa ein Millimeter dicke Stahlplatte und dreht eine Schraube hinein. Mit ihrem Mann wohnt sie in einem der letzten "Allkupferhäuser" aus den 30er Jahren. Die "Hirsch Kupfer Messingwerke AG" aus Eberswalde experimentierten Ende der zwanziger Jahre mit diesem Fertighauskonzept. "Vor vierzehn Jahren sind wir hier eingezogen. Wir wußten damals gar nicht, daß es sich um ein besonderes Haus handelt", so Angelika Eberhardt. Die Außenfassade des 1934 gebauten Fertighauses besteht aus vielen Einzelwänden, die mit gestanzten Kupferplatten belegt sind.In 24 Stunden aufgebautDas Unternehmen aus Eberswalde baute nur 51 dieser Fertighäuser mit Kupferhaut. Sechs Arbeiter reichten aus, um die vorgefertigten Einzelteile an einem einzigen Tag zusammenzubauen. Die einzelnen Elemente verfügten über patentierte "Universalendungen", die einfach zusammengeschraubt werden konnten. Angelika Eberhardt besitzt noch einen Werbeprospekt des Unternehmens aus den dreißiger Jahren. Darin wirbt die Firma damit, daß sich das Haus in zwölf verschiedenen Varianten den individuellen Wünschen der Kunden anpassen lasse. "Die einzelnen Haustypen trugen Phantasienamen wie etwa Villa Kupferstolz. Unser Haus heißt Lebenssonne", sagt Angelika Eberhardt. Das "Haus Lebenssonne" sei ein Meisterstück an Raumplanung, so der Werbeprospekt. Für Küche und Diele wurden Einbauschränke gleich mitgeliefert. Die seien auch heute noch sehr praktisch, sagt Eberhardt.Besonders stolz waren die Konstrukteure auf die Wärmeisolierung des Hauses. Die einzelnen Wandelemente wurden mit einem besonderen Dämmmaterial aufgefüllt. Angelika Eberhardt bestätigt die gute Wärmeisolierung des Hauses: "Innerhalb weniger Minuten kann man das gesamte Haus aufheizen. Das Lüften dauert nicht viel länger. Das ist sehr praktisch, wenn man etwa gekocht hat."Wesentliche Unterschiede zu herkömmlichen Ziegelsteinhäusern gibt es dennoch. "Das Haus ist sehr hellhörig", sagt Angelika Eberhardt. Schwierig sei es auch mit dem Radio- und Fernsehempfang. "Die Metallwände schirmen das Signal sehr stark ab. Der Vorteil liegt aber auf der Hand. Das Metall wirkt wie ein riesiger Blitzableiter."Die Architektur der Allkupferhäuser wird oftmals mit dem "Bauhaus" verwechselt. Anfang der 30er Jahre arbeitete nämlich auch der Bauhaus-Architekt Walter Gropius für das Eberswalder Unternehmen "Hirsch Kupfer". Die Zusammenarbeit mit Gropius beschränkte sich jedoch nur auf die Ausarbeitung von zwei Musterhausplänen für die Fertigbaureihe, sagt Christian Wolsdorff, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Berliner Bauhaus-Archiv-Museum. "Der Einfluß von Walter Gropius auf die Häuser von Hirsch Kupfer wird maßlos überschätzt. Das Bauhaus hat damit nichts zu tun." Das Kupferhaus-Experiment geriet in Vergessenheit, als der jüdische Unternehmer vor der heraufziehenden Barbarei emigrierte.Seit 1991 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. "Wir dürfen seitdem an dem Haus nichts mehr verändern", sagt Angelika Eberhardt. Das sei aber auch gar nicht notwendig, denn größere Reparaturarbeiten habe das Haus auch nach 60 Jahren nicht nötig. "Bei unserm Einzug mußten wir lediglich das Dach festziehen. Das knarrte schon beim leisesten Windstoß." Für ihren Mann, einen gelernten Werkzeugmacher, sei das aber kein großes Problem gewesen. "Mit ein paar dicken Schrauben war die Sache dann schnell erledigt", so Eberhardt.Pflegeleicht ist das Haus auch. "Das Haus kann man ganz einfach abwaschen." Das sei besonders im Sommer sehr praktisch, sagt Angelika Eberhardt. "Wenn es besonders heiß ist, dann spritze ich die Außenwände einfach mit dem Gartenschlauch ab. Das Haus kühlt dann sehr schnell ab."