Fan-Gewalt gegen deutsche Fußball-Profis: Hemmschwelle sinkt immer mehr

Eine völlig neue Stufe der Gewalt hat Einzug in den deutschen Fußball gefunden. Sogenannte Fans gehen bei schlechten Leistungen jetzt sogar schon gegen die Spieler des eigenen Vereins mit Gewalt vor.Jüngstes Beispiel ist Thorsten Legat von Bundesligist Eintracht Frankfurt, der darüber heute abend in der Fernsehsendung Stern TV berichtet.Legat hatte vor der Partie am Sonntag gegen Werder Bremen (0:0) darum gebeten, ihn nicht mehr bei den Heimspielen der Hessen einzusetzen. Hintergrund: Nach dem Ausscheiden im UEFA-Cup Mitte März gegen Juventus Turin wurde er in der eigenen Tiefgarage aufgelauert. Legat: "Meine Frau und ich wurden von rot-schwarz bemalten Eintracht-Anhängern mit einer Schußwaffe bedroht." Der Spuk habe zwar nach einigen Minuten ein Ende gehabt, zurück blieben aber ein völlig verängstigter Spieler und eine Ehefrau in Panik. Dabei hatte der Mittelfeldspieler in Turin beim 0:3 nur einfach ein schlechtes Spiel abgeliefert, konnte das Vertrauen von Trainer Jupp Heynckes nicht rechtfertigen und schmort seitdem zumeist nur noch auf der Ersatzbank.Trotzdem ist der 26 Jahre alte Legat psychisch K. o. Legat: "Diesmal ging es noch gut." Doch wer wisse, was beim nächsten Mal passiere. Er wisse von anderen Spielern, so der Frankfurter, denen es ähnlich ergangen ist.Das bestätigte Ex-Nationaltorhüter Bodo Illgner vom 1. FC Köln, der nach dem WM-Ausscheiden im Vorjahr in den USA zur Zielscheibe des Terrors wurde. Nach der Viertelfinal-Niederlage gegen Bulgarien (1:2) habe er mehrere Drohbriefe erhalten. Illgner wurde die Hauptschuld am Ausscheiden der deutschen Nationalelf vorgeworfen und mit Prügel und Anschlägen gedroht. Illgner: "Zuerst dachte ich, da ist mit einigen verwirrten Fans die Enttäuschung durchgegangen."Doch nachdem der 1. FC Köln im vergangenen Herbst in Abstiegsgefahr geriet und der Mannschaftsbus mit Steinen beworfen wurde, hätten die Drohungen wieder eingesetzt. Illgner: "Ich rechne täglich damit, überfallen zu werden, und ich habe für mich und meine Familie Schutzmaßnahmen ergriffen." Er habe bemerkt, daß sich die Situation von Jahr zu Jahr verschärfe. Illgner: "Die Emotionen der Fans sind unkalkulierbar, die Hemmschwelle zur Gewalt sinkt immer mehr." +++