Bonn. Reuter Obwohl weltweit ständig mehr Nahrungsmittel produziert werden, hungern immer noch Millionen von Menschen - besonders auf dem schwarzen Kontinent.Die Welternährungs-Organisation FAO rechnet mit einer Zunahme des Hungers in Schwarzafrika. In Asien und Lateinamerika werde sich die Lage aber bessern, sagt die Unterorganisation der Vereinten Nationen in einer gestern veröffentlichten Studie voraus. Insgesamt werde es im Jahr 2010 noch 650 Millionen Unterernährte auf der Welt geben, 150 Millionen weniger als zur Zeit. Die Agrarproduktion werde mit durchschnittlich 1,8 Prozent im Jahr etwas schneller wachsen als die Weltbevölkerung mit plus 1,6 Prozent. Das Ernährungsproblem lasse sich aber nicht allein durch Umverteilung ändern, warnte die FAO. Die Organisation rechnet damit, daß im Jahr 2010 rund sieben Milliarden Menschen auf der Erde leben, 1,3 Milliarden mehr als zur Zeit. Während die Bevölkerung in Asien nur noch um 1,2 Prozent im Jahr wachsen werde, werde sie in Schwarzafrika um 2,9 Prozent steigen. Daher werde sich der Schwerpunkt der Unterernährung nach Schwarzafrika verlagern, wo die Zahl der unzureichend Ernährten von heute 175 Millionen bis zum Jahr 2010 auf 300 Millionen Menschen steigen werde. Insgesamt würden aber sowohl die Bevölkerung als auch die Agrarproduktion langsamer wachsen als in den vergangenen Jahrzehnten. Rechnerisch gebe es für jeden Menschen heute 18 Prozent mehr Nahrung als vor 30 Jahren. Der Tisch ist aber unterschiedlich reich gedeckt. Jeder Europäer oder Nordamerikaner hat pro Tag 3 500 Kalorien zur Verfügung. Im südlichen Afrika sind es nur 2 100, in Indien 2 200. Im Durchschnitt aller Entwicklungsländer könne das Nahrungsangebot von 2 500 auf 2 700 Kalorien pro Kopf steigen, so die FAO. Im Nahe Osten, Ostasien und Lateinamerika seien sogar 3 000 Kalorien möglich. Doch im südlichen Afrika erwartet die FAO erneut eine Verschlechterung auf unter 2 100 Kalorien für jeden Bewohner. Dem ärmsten Teil der Weltbevölkerung wird nach Einschätzung der FAO auch im Jahr 2010 die Kaufkraft fehlen, um die Agrarproduktion durch eine höhere Nachfrage anzuregen. Auch habe er kein Geld, um die Agrarüberschüsse aus den reichen Ländern zu kaufen. Die FAO wolle daher in den Entwicklungsländern die Landwirtschaft und die mit ihr verbundenen Wirtschaftsbereiche stärken, um Nahrung zu produzieren und Kaufkraft zu schaffen. Die FAO befürchtet, daß die Vernichtung der tropischen Regenwälder und die Bodenerosion zunehmen. Die Flächenausdehnung stoße damit an ihre Grenzen und Wasser werde immer knapper. Zwei Drittel der Mehrproduktion von Lebensmitteln müßten aus höheren Erträgen kommen, ohne die Umwelt weiter zu schädigen.