BERLIN/DÜSSELDORF, 6. Juni. FDP-Chef Guido Westerwelle hat den Machtkampf mit Parteivize Jürgen Möllemann zunächst gewonnen, den Streit zwischen dem Zentralrat der Juden und der FDP aber nicht beenden können. Einen Tag nach Westerwelles Ultimatum teilte Möllemann am Donnerstag im nordrhein-westfälischen Landtag mit, dass der wegen antisemitischer Äußerungen umstrittene Abgeordnete Jamal Karsli freiwillig aus der FDP-Landtagsfraktion ausscheide. Möllemann entschuldigte sich zwar bei den Juden in Deutschland für seine Äußerungen. Später griff er aber den Vizepräsidenten ihres Zentralrats, Michel Friedman, erneut scharf an. Der Präsident des Zentralrats, Paul Spiegel, und Friedman hatten zunächst mitgeteilt, sie nähmen die Entschuldigung an; ein Gespräch mit der FDP sei wieder möglich. Möllemann hatte im Düsseldorfer Landtag seine eigene Äußerung zitiert, wonach Israels Premier Scharon und Friedman den Antisemitismus schürten und dazu gesagt: "Sollte ich die Empfindungen jüdischer Menschen verletzt haben, möchte ich mich bei diesen entschuldigen." In Interviews erklärte Möllemann jedoch später, er nehme Friedman ausdrücklich von seiner Entschuldigung aus. Spiegel warf Möllemann daraufhin eine "fortgesetzte Strategie der Doppelzüngigkeit" vor. Damit habe er sich "endgültig als Gesprächspartner und Demokrat disqualifiziert". An einem für Dienstag geplanten Treffen mit FDP-Chef Westerwelle will er dagegen festhalten. Möllemann forderte, die Vorwürfe, er sei ein Antisemit, müssten vom Tisch. Friedman bezeichnete er als "aggressiven und arroganten Typen. Innerparteilichen Kritikern wie Hildegard Hamm-Brücher riet Möllemann, "jetzt einfach Mal ihre Rente zu genießen". Friedman sagte, Mölleman habe mit seinen neuen Äußerungen deutlich deutlich gezeigt, "wessen Geistes Kind er ist".Westerwelle erklärte, nach dem Rückzug Karslis müsse der Vorwurf des Antisemitismus gegen die FDP vom Tisch sein. Dieser sei unberechtigt und ehrverletzend. Er wolle weiter gemeinsam mit Möllemann arbeiten. Der Streit habe Verletzungen verursacht, die jedoch vollständig heilen könnten. Aus vielen FDP-Landesverbänden wurde die Beilegung des Machtkampfes begrüßt. Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionschef in Kiel, warf den innerparteilichen Kritikern Möllemanns jedoch vor, die Strategie 18 nie gewollt zu haben. Jetzt spielten sie die Rechthaber. Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff meinte, das Ansehen Westerwelles sei beschädigt. Er kritisierte Möllemann mit den Worten: "Gucken Sie sich die Fußball-WM an, da ist Nachtreten auch nicht erlaubt." FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt nannte Möllemanns Teilentschuldigung am Abend "unerträglich". SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sagte, Möllemann sei nur aus taktischem Kalkül einen halben Schritt zurückgegangen. Er behalte die FDP weiter "fest im Schwitzkasten". Grünen-Chef Fritz Kuhn sprach von einem Vorgang, der eines Demokraten unwürdig sei. Dagegen erklärte Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU): "Die FDP ist aus der Krise und ist unser potenzieller Partner."Seite 3, Leitartikel Seite 4, Politik Seite 5"Möllemann hat sich endgültig als Gesprächspartner und Demokrat disqualifiziert. " Paul Spiegel.Foto:DDP/GEORG HILGEMANN Auf dem Weg nach unten: Jürgen Möllemann am Donnerstag im Düsseldorfer Landtag.

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