Mehr als 49 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs verlassen am Donnerstag die letzten Soldaten der Westgruppe der russischen Truppen (WGT) deutschen Boden. In Anwesenheit des russischen Präsidenten Boris Jelzin sowie Bundeskanzler Helmut Kohl werden heute die noch in Berlin stationierten Soldaten bei einem Festakt Im Schauspielhaus verabschiedet.Emsiges Treiben gestern abend im Maritim Grand Hotel an der Friedrichstraße: Alles ist für die Ankunft von Boris Jelzin und seiner Gattin Nama vorbereitet. Die Schinkel-Suite hat den letzten Schliff bekommen, ein großer weißer Orchideenstrauß schmückt den Wohnraum. Frisches Obst auf einer großen Schale wartet auf seinen Genießer. "Früchte mag Boris Jelzin besonders gerne", sagt Managerin Gisela Weschke. Noch ein Blick in die Suite-eigene Sauna -- alles stimmt. "Den Saunabesuch läßt sich der russische Präsident bestimmt nicht entgehen." insgesamt stehen für die Delegation zwei Etagen des Luxushotels zur Verfügung.Grundsatzrede geplantZwei Nächte weilt Jelzin im Hotel, bevor er morgen vormittag gegen 10 Uhr die Heimreise antritt. Heute hat der Politiker ein umfangreiches Programm zu bewältigen. Um 9.15 Uhr erwartet Bundeskanzler Kohl den Präsidenten mit einem militärischen Zeremoniell auf dem Gendarmenmarkt. Für den Festakt im Schauspielhaus (Beginn 9.45 Uhr) kündigte Jelzins außenpolitischer Berater Dimitri Rjurikow eine Grundsatzrede an. "Dies ist der wichtigste politische Auftritt des Präsidenten bei der Verabschiedung der Truppen aus Deutschland", so Rjurikow.Um 12 Uhr trifft Jelzin zur Kranzniederlegung am russischen Ehrenmal in Treptow ein. Hier findet auch die Parade der letzten 1 200 noch in Berlin stationierten Militärs sowie von 600 Bundeswehrsoldaten statt. Rund 3 000 geladene Gäste können den Akt verfolgen.Zum Mittagessen wird Jelzin um 13.40 Uhr im Schloß Bellevue von Bundespräsident Roman Herzog erwartet. Am Nachmittag stehen Kranzniederlegungen am Ehrenmal im Tiergarten (16.15 Uhr) und an der Neuen Wache in Mitte (16.35 Uhr) auf dem Programm. Dort haben auch Schaulustige die beste Chance -- sieht man von der Übertragung im Fernsehen ab -, das russische Staatsoberhaupt wenigstens halbwegs aus der Nähe zu sehen. Ansonsten ist der Gast gut abgesichert -- 3 500 Beamte der Berllner Polizei sind nach Auskunft des Chefs der Schutzpolizei, Gernot Piestert, im Einsatz.Burlakow ist der letzteGegen 17 Uhr wird sich der Präsident im Roten Rathaus ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Vom Balkon des Gebäudes wollen Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen und Boris Jelzin den Berlinern zuwinken. Am Abend dann gibt der Kremichef in der russischen Botschaft Unter den Linden einen Empfang. Unklar war bis gestern, wo Kohl und Jelzin zu einem politischen Gespräch zusammentreffen werden.Wenn am Donnerstag vormittag der Präsident auf dem Rückflug ist, treten auch die russischen Soldaten vom Bahnhof Lichtenberg aus die Heimreise an. Das Flugzeug von Matwej Burlakow, Chef der Westgruppe, der als letzter von ehemals 546 200 WGT-Angehörigen Deutschland verlassen wird, startet um 13 Uhr. 9:15 Uhr -- GendarmenmarktBoris Jelzin wird mit militärischen Ehren begrüßt. Anschließend meldet Generaloberst Matwej Burlakow die russischen Truppen ab. Bei einem Festakt im Schauspielhaus werden Jelzin und Bundeskanzler Helmut Kohl sprechen. Es erklingt Musik von Beethoven und Borodin.12 Uhr: Treptower EhrenmalAm 1949 fertiggestellten russischen Ehrenmal in Treptow legen die führenden Persönlichkeiten Rußlands und Deutschlands Kränze nieder. Mit einer letzten kleinen Parade verabschieden sich die russischen Soldaten. Hinweis: Der Zutritt erfolgt nur für geladene Gäste.16.15 Uhr: Mahnmal TiergartenAm russischen Ehrenmal in Tiergarten, das im Jahre 1945, nur wenige Monate nach der Besetzung Berlins, errichtet wurde, werden Kränze niedergelegt. Das Gelände an der Straße des 17. Juni westlich des Brandenburger Tors ist Ruhestätte für rund 2 500 Soldaten.16.35 Uhr: Neue WacheAus Tiergarten kommend, legt Präsident Jelzin in der Neuen Wache in Mitte einen Kranz nieder. Das Gebäude zählt zu einem der Hauptbauwerke Karl Friedrich Schinkeis. Die Pieta von Käthe KollwitZ erinnert an die Opfer von Krieg und Gewaltherrscbaft.