Film auf Arte: Politthriller und Familiendrama: Umstrittene Mission im Kaukasus

Das Szenario ist erschreckend, glücklicherweise aber (noch) fiktiv. Eine kleine Gruppe von islamischen Terroristen plant, auf die amerikanischen Streitkräfte in Heidelberg einen Anschlag zu verüben. Das jedenfalls will die Bundesregierung in Erfahrung gebracht haben, die sich auf zuverlässige Quellen befreundeter Geheimdienste beruft. Da Gefahr im Verzug ist, muss schnell und möglichst lautlos gehandelt werden. Entsprechend klar und unmissverständlich sind denn auch die Anweisungen an Brigadegeneral Heinz Büchner. Als Befehlshaber der Spezialeinheit GSK soll er die Terroristen vor Ort im Kaukasus eliminieren. Der Auftrag ist nicht nur politisch umstritten, sondern für Büchner auch persönlich heikel. Das liegt zum einen daran, dass sein ehrgeiziger Sohn Christopher für die Leitung der gefährlichen Mission im Kaukasus vorgesehen ist. Politisch korrektDas liegt zum anderen an Büchners Ex-Frau Ellen, die den Einsatz verhindern will. Nach längerem Aufenthalt als Ärztin im Irak hat sie sich zu einem Kurzbesuch im Haus des Generals eingefunden. Sie ist inzwischen mit einem militärkritischen Abgeordneten liiert, der hinter dem Schlag gegen den internationalen Terrorismus ganz andere Motive zu erkennen meint. Statt der realen Bedrohung geht es aus seiner Sicht um eine illegale Amtshilfe der Bundesregierung für die Kollegen in Washington - als Kompensation für die Weigerung, den Irak-Krieg zu unterstützen. Was wie ein beklemmend aktueller Polit-Thriller beginnt, entwickelt sich schnell zum Familiendrama in Feldgrau. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn Regisseur und Autor Thomas Bohn seine Figuren ernst genommen hätte. Allzu viel an seinem Personal-Tableau bleibt leider Stückwerk und wirkt überfrachtet. Dazu gehört, dass Büchner Senior ausgerechnet ein Verhältnis mit der Militärpsychologin haben muss, die seinen Sohn begutachten soll. Der wiederum hat notorischen Stress mit seiner Freundin, die mehr vom Leben haben will als Angst um einen hochdekorierten Soldaten bei riskanten Auslandseinsätzen. Eine natürliche Verbündete findet sie in Ellen, die neben ihrer Rolle als Mutter und Ex-Gattin des Generals auch noch auf eine friedensbewegte Vergangenheit zurückblicken kann. Wo Figuren dem Setzkasten der politischen Korrektheit entnommen sind, muss die Geschichte zwangsläufig Defizite an Glaubwürdigkeit aufweisen. Für ein Psycho-Drama mangelt es an Tiefgang, zum Polit-Thriller fehlt schlicht die Ebene politischer Auseinandersetzung. Sehen lassen kann sich der Film dennoch dank seiner durchaus gefälligen Dramaturgie, einer spannenden Inszenierung und der hochkarätigen Besetzung - auch wenn das prominente Ensemble um Robert Atzorn und Iris Berben in anderen TV-Filmen schon stärker gefordert wurde als in dieser Rollenzuschreibung. Das Kommando, 20.45 Uhr, Arte.------------------------------Foto: Christopher (Jens Atzorn) kümmert sich um eine angeschossene Milizin.