Wie kein anderes Ereignis steht das Attentat vom 20. Juli 1944 für die Tragik des deutschen Widerstands gegen das NS-Regime. Auch 60 Jahre später sind die Erinnerungen an die Akteure um Claus Graf Schenk von Stauffenberg ambivalent. Das liegt weniger am Scheitern ihres Vorhabens selbst als daran, dass sich die politischen Vorstellungen des couragierten, militärischen Widerstands nur bedingt als Vorbild für eine demokratische Gesellschaft eigneten. "Die Offiziere waren von den Erfahrungen der Weimarer Republik geprägt und hatten die freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht auf dem Block", konstatiert etwa Joachim Fest nüchtern. Der Historiker hat als Fachberater auch daran mitgewirkt, dass der ARD-Dreiteiler nie in die Versuchung einer Verklärung der Geschichte gerät. Im Vordergrund der aufwändigen Dokumentation von Maurice Philip Remy steht vielmehr eine faire historische Wertung und Einordnung des Widerstands in Uniform. Remy bemüht sich um Differenzierung und erhellt Strukturen wie Mechanismen des NS-Regimes statt sich auf einzelne Persönlichkeiten zu kaprizieren. In der Auftaktfolge blickt Remy zurück auf die Anfänge der "Machtergreifung" 1933. Auch wenn die Rolle der Reichswehr in der Weimarer Republik leider ausgeblendet bleibt, wird daran erinnert, dass weite Teile des Offizierskorps die "nationale Revolution" mit Begeisterung aufnahmen. Denn die Revision des Versailler Vertrages und die Einführung der Wehrpflicht standen auch auf der Agenda der militärischen Führung ganz oben. Über die rigorose Verfolgung Andersdenkender wurde ebenso hinweggesehen wie über die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung aus dem öffentlichen Leben. Von Tresckow (seit 1929 NSDAP-Mitglied) und Stauffenberg machten da in ihrer Zustimmung für den "Aufbruch" keine Ausnahme. Zugleich konturiert die Dokumentation aber auch den wachsenden Unmut unter den Offizieren. Die kaltblütige Ermordung von Hitlers Vorgänger von Schleicher, die Entmachtung der Reichswehrspitze 1934 oder die Vorbereitungen zum Einmarsch in Österreich und der Tschechoslowakei versprachen den Oppositionellen Zulauf. So hatten Witzleben und Oster den Staatsstreich bereits Ende September 1938 geplant: Gescheitert war ihr Vorhaben freilich, bevor es in die Tat umgesetzt wurde. Das fügt sich zu einem soliden, gut recherchierten Abriss. Seine Stärken hat der sehenswerte Dreiteiler dort, wo er die Atmosphäre wie die Denkweisen im Offiziers-Korps nachvollziehbar macht. Als Autor vertraut Remy dabei klug auf die Aussagekraft seiner Archiv-Materialien und Zeitzeugen, die hier mehr als Stichwortgeber sind. Wie die politischen Vorstellungen der Offiziere für ein Deutschland nach Hitler aussahen, bleibt allerdings auch nach diesen 135 Minuten weit gehend offen.Offiziere gegen Hitler, 21.45 Uhr, ARD. Weiteren Teile am 16. und 19. Juli.. ------------------------------Foto: Stauffenberg (l.) trifft Hitler. Erst später wagt er das Attentat.