Ein Menü im New Yorker Edelrestaurant "Chez Panisse" kostet siebzig Euro. So viel Geld bezahlen die Gäste nicht nur für hervorragendes Essen, sondern für eine ganze Ernährungs-Philosophie: Die Chef-Köchin Alice Waters verarbeitet nur Produkte von kleinen Farmen, die nicht industriell produzieren. Außerdem ist sie gefeierte Missionarin für gute und natürliche Ernährung. Sie fordert in Vorträgen eine "Revolution der öffentlichen Erziehung", damit alle in den Genuss gesunden Essens kommen und setzt sich für die in den USA sehr kleine Bio-Bewegung ein. Sie kämpft gegen die Vorherrschaft von McDonalds und Burger King und fordert eine bessere Esskultur.Der Filmemacher Piet Eekman stellt Alice Waters in den Mittelpunkt seiner Dokumentation "Reiche Essen keine Hamburger". Aber er will in seiner Dokumentation mehr zeigen, nämlich den Zusammenhang zwischen Armut und schlechter Ernährung in den USA. Je weniger Geld die Menschen haben, berichtet ein Ernährungswissenschaftler, desto mehr ernähren sie sich von Junk Food, von billigem, fett- und zuckerreichem Essen. Die Folge ist, dass besonders die sozial Schwachen von Fettsucht und Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck betroffen sind. Wegen schlechter Ernährung könnte die heutige Generation in den USA die erste sein, die eine geringere Lebenserwartung als ihre Eltern hat.Neu sind diese Thesen nicht, und die Oscar-nominierte Dokumentation "Supersize Me" des Filmemachers Morgan Spurlock zeigte, wie man die Auswirkungen des Fast Food auf den eigenen Körper und die Gesellschaft in eindrucksvollen Bildern darstellen kann. "Reiche essen keine Hamburger" wirkt dagegen streckenweise konzeptlos. Mal erzählt der Angestellte einer Pfand-Annahmestelle, wie er Spaghetti Bolognese macht, mal werden arme Kinder befragt, wie oft sie Hamburger essen. Manchmal werden einfach nur übergewichtige Passanten gezeigt. Das Problem wird zwar sichtbar, aber über die Ursachen ist wenig zu erfahren. Schon gar nicht über Lösungen.Was Eekman eindrucksvoll gelingt, ist die Demontage der Ernährungs-Missionarin Alice Waters. Je länger man ihr zuhört, desto mehr wird deutlich, dass Waters sich hauptsächlich für die interessiert, die ihre teuren Bio-Produkte zu würdigen wissen - für die Angehörigen der Oberschicht, die ohnehin kein Fast Food-Klientel sind. In drastischen Äußerungen lässt die Edel-Köchin durchblicken, dass die mit den Armen und ihren "schlecht entwickelten Geschmacksnerven" nichts zu tun haben will. Es wird deutlich, dass ihr Einsatz für gutes Essen ästhetischer und nicht sozialer Natur ist. Als zentrale Figur eines Films über Armut und Ernährung ist sie deshalb allerdings wenig geeignet. Am Ende bleibt man eher ratlos zurück mit einer selbstverliebten Bio-Predigerin für Reiche und einem riesigen gesellschaftlichen Problem.Reiche essen keine Hamburger, 22.10 Uhr, Arte.------------------------------Foto: Edel-Köchin Alice Waters hat nur an zahlungskräftigen Gästen Interesse.