HAVANNA - Es ist nicht einfach, den Überblick über Kubas Finanzen zu behalten, denn das Land lebt mit zwei Währungen. Fast zwei Jahrzehnte jonglieren die Kubaner schon mit CUC und CUP, dem konvertiblen kubanischen Peso, der an den Dollar gebunden ist, und dem kubanischen Peso, der Währung für das Volk. Das eine ist eine Devise, das andere Geld für die Einheimischen. Jetzt gibt Präsident Raúl Castro als Langzeitziel vor: Ein Peso reicht. Die Parallelwährungen bezeichnete der kleine Bruder vom großen Fidel als eines der größten Hindernisse für den Fortschritt.

Wer als Tourist nach Kuba reist oder hier Geschäfte machen will, kommt in der Regel mit dem kubanischen Peso CUP nicht in Kontakt. Dienstleistungen, Hotels, private Restaurants und die Souvenirs sind in harter CUC-Währung zu bezahlen. Für einen Euro bekommt man dieser Tage in Havanna 1,23 konvertible Peso. Billig ist in Kuba eigentlich nichts. Den CUP nehmen sich die Urlauber nur gerne als Andenken mit. Am liebsten die Silbermünze mit dem Konterfei der Revolutions-Ikone Che Guevara.

Staatsangestellte verdienen die weichen CUP, und zwar wenige. Trägt der Krankenhauschirurg seine rund 600 CUP Gehalt in die Wechselstube, bekommt er den Gegenwert von 24 CUC. 19 Euro. Damit kann er Bus fahren und auf dem Markt Gemüse und Obst kaufen. Aber viele Dinge gibt es auf der sozialistischen Insel nur gegen CUC: Windeln, Klopapier, Schampoo, Kekse, Mineralwasser, Schokolade.

Doppelte Pesos sind ein Problem

Wem Verwandte Dollar aus dem Ausland überweisen, tauscht diese in CUC und kann dann in einem der neuen Einkaufszentren shoppen gehen, die nur mit CUC funktionieren. Er sogar Kühlschränke und Klimaanlagen im Ausland kaufen oder in einem der teuren Hotels Strandurlaub buchen. Nach Berechnungen von US-Ökonomen erhalten immerhin 60 Prozent der elf Millionen Kubaner harte Währung von einem Angehörigen irgendwo im kapitalistischen Ausland.

Auch für Unternehmen sind die doppelten Pesos ein Problem. Die Staatsbetriebe arbeiten mit CUP, brauchen aber CUC für Importe oder Geschäfte außerhalb der Insel. Und internationale Investoren haben schon böse Erfahrungen gemacht, wenn die Stromrechnung, die immer in CUP kam, plötzlich in CUC ausgestellt wird. Da fallen über Nacht schon mal Schulden in Millionenhöhe an.

Man arbeite daran, die beiden Währungen zusammenzuführen, sagte Präsident Castro am vergangenen Wochenende vor dem Parlament. „Das wird uns weitreichende und tiefgreifende Veränderungen in Sachen Löhne und Renten, Preise, Tarife, Subventionen und Abgaben erlauben“. Den Zeitpunkt ließ er offen. Veränderungen in Kuba brauchen eben ihre Zeit.

„Wir wollen alle Hindernisse für die Wirtschaft beseitigen, aber wir müssen vorsichtig sein und die Auswirkungen auf die Bevölkerung analysieren“, betonte der Vize-Präsident des Ministerrats und Verantwortlicher für die Umsetzung der Wirtschaftsreformen: „Wir müssen eine Schock-Therapie vermeiden.“