Lautes Rotorenknattern, dann schwebte die tote Kuh durch die Luft und tausende Schaulustige legten den Kopf in den Nacken. Ein Hubschrauber hievte gestern abend den gehäuteten Tierkadaver 40 Meter in die Höhe, dann stürzte das Fleisch in eine Baugrube vor dem Multi-Media-Zentrum Backfabrik in Prenzlauer Berg. Eine Flamme schlug hoch und Wiener Walzer erklang. Aus der Menschenmenge auf der Prenzlauer Allee tönten Pfiffe. Kaum einer klatschte. Der Initiator des Spektakels hing hoch in der Luft an einem Kran wie Christus am Kreuz: Wolfgang Flatz, Hochschulprofessor aus München, war selbst Teil seiner Performance "Fleisch".Das Publikum reagierte mit Ablehnung: "Einfach scheußlich", sagte eine Frau. Eine andere urteilte: "Superpathetisch und egozentrisch." Zwei junge Männer schimpften, weil ihnen das Ganze nicht blutig genug war: "Bei der Kuh war ja nicht mal mehr der Kopf dran". Am Rand der Aktion protestierten Tierschützer. Schon zuvor hatte es heftige Kritik gegeben. Ines Saager (CDU), Gesundheitsstadträtin im Bezirk Pankow, hätte die Aktion gern verboten. Das Amt konnte dem Künstler aber nur Auflagen machen: Der Kadaver der Kuh musste gehäutet und ausgeweidet sein. Außerdem wurde er auf BSE getestet.Eine 13-jährige Schülerin aus Schöneberg hatte versucht, die Aktion per einstweiliger Verfügung zu stoppen. Das Verwaltungsgericht lehnte ihren Eilantrag jedoch ab. In der Begründung hieß es, die Schülerin sei nicht direkt betroffen. Sie könne daher keinen Antrag stellen. Das Argument, die Schülerin könne einen Schock erleiden, sei nicht überzeugend. Denn sie müsse sich die Performance nicht ansehen. Für Wolfgang Flatz gehört Kritik zu seinem Kunstkonzept. Mit der Aktion "Fleisch" wollte er den Umgang des Menschen mit seinem Körper und Tieren thematisieren. Flatz Sprecherin Martina Lülsdorf sagte: "Die tote Kuh ist nichts anders als das Fleisch, das bei jedem Metzger hängt." Sibylle Gernhardt von der Backfabrik nannte die Aktion ein "großes Kunsterlebnis", vergleichbar mit Christos Reichstagsverhüllung. (ibz.)(Ausführlicher Bericht in der Wochenendausgabe im Feuilleton)